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Haan: EU-Parlamentarier  stellt sich Schülerfragen

Haan : EU-Parlamentarier  stellt sich Schülerfragen

Interessante Einblicke in den Arbeitsalltag eines EU-Parlamentariers gewährte der Langenfelder FDP-Abgeordnete Moritz Körner kürzlich den Schülern des Haaner Gymnasiums. Diese nutzten die Gelegenheit seines Besuchs für allerlei Fragen, Kritik und Forderungen an den 31-Jährigen in Brüssel.

Anders als andere Berufspolitiker, die bei unangenehmen Fragen versuchen, um den heißen Brei zu reden, stellte sich Moritz Körner (FDP) selbstbewusst einer großen Schar kritischer Schüler des Haaner Gymnasiums. Im Rahmen der Europawoche hatte Lehrer Cornelius Tonn den Besuch des EU-Parlamentariers organisiert, zufälligerweise ein ehemaliger Schüler des Pädagogen aus seiner Zeit am Langenfelder Gymnasium. Körner hatte die Einladung gerne angenommen und die Schüler bereiteten sich akribisch auf den Besuch vor. „Unsere Q1-Schüler beschäftigen sich derzeit mit Europa und haben einen Fragenkatalog entwickelt“, erklärte Sowi-Lehrerin Beatrix Siebert. Die Auseinandersetzung mit der EU-Politik sei dieser Tage des Ukrainekriegs von großer Bedeutung. Das betonte auch Körner bei seiner kurzen Vorstellung: „Im Moment ist Europa besonders wichtig. Seitdem nach vielen Jahrzehnten wieder Krieg in Europa herrscht, merken wir derzeit, wie gut und wertvoll eine gute Zusammenarbeit in Europa eigentlich ist.“

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Die Schüler ließen keine Gelegenheit offen und äußerten gleich ihre ersten Fragen: „Warum will der türkische Präsident ein Veto gegen den Nato-Beitritt von Finnland und Schweden einlegen?“, wollte ein Junge wissen. Körner nickte kurz und erklärte, dass einige Staatsoberhäupter auch in der Krise versuchen würden, ihre Interessen durchzusetzen. Durch ein Veto spekuliere Erdogan möglicherweise darauf, Zugeständnisse zu erhalten, wie etwa mehr Visa-Freiheit für die türkische Bevölkerung, um ihn seitens der EU umzustimmen. „Die Türkei will ja schon seit Längerem der Europäischen Union beitreten“, ließ Körner beiläufig fallen.

„Wie kann sich die EU von der Abhängigkeit zu Russland lösen?“, wollte ein anderer Schüler wissen. Dafür brauche es die richtige Infrastruktur, urteilte Moritz Körner. Europa sei durchaus in der Lage, sich selbst mit erneuerbarer Energie zu versorgen. Allerdings müsse sichergestellt werden, dass die Energie auch überall ankommt. Im Norden etwa gebe es reichlich Windkraft, im Süden dagegen Solarenergie. Die Infrastruktur innerhalb der Union so auszubauen, dass Solarenergie aus dem Süden und Windkraft aus dem Norden in die übrigen Länder transportiert werden kann, sei eine wichtige Aufgabe der Europäischen Union, für die nun 300 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt werden.

„Was kann man gegen Rechts tun?“, wollte eine Schülerin wissen. „Dafür brauchen wir alle Demokraten“, antwortete Körner. „Das Wichtigste an der Demokratie ist, dass ihr alle mitmachen müsst.“

Natürlich fiel auch die Frage über die Legalisierung von Marihuana. „Sollte man Gras legalisieren oder nicht?“, fragte ein Schüler. Die klare Antwort von Körner, die die Schüler überraschte: „Ja.“ Wobei Körner, der berichtete, nie selbst Gras konsumiert zu haben, auch Rahmenbedingungen dafür einforderte, um eine kontrollierte Abgabe zu gewährleisten.

Kritischer wurde es abschließend mit den Fragen zur Einwanderungspolitik der EU sowie Sicherung der EU-Außengrenzen. „Sollte man das Geld, das für den Schutz der EU-Grenzen ausgegeben wird, nicht lieber in die Bekämpfung der Fluchtursachen investieren?“, fragte ein Schüler provokant. Dem stimmte Körner zu. „Das wäre wohl sinnvoller. Allerdings brauchen wir in der EU eine gemeinsame Migrationspolitik und wir müssen irgendwo kontrollieren, wer zu uns kommt. Grenzschutz ist also schon wichtig.“ Andererseits, gab Körner zu, sehe auch er die Arbeit von Frontex sehr kritisch.

Am Ende schien der Besuch des EU-Parlamentariers viel zu schnell zu Ende. „Ich fand, es waren sehr interessante Einblicke und ich fand es gut, dass er auch seine eigene Position klar dargestellt hat. Das hatte ich eigentlich nicht erwartet“, äußerte David (16) nach Körners Besuch. „Ich finde schon, dass der persönliche Austausch mit einem Politiker aus der Praxis die ganzen Themen besser transportiert. Das bringt uns auch die Politik etwas näher“, urteilte auch der 17 Jahre alte Jonas. Ein gelungener Besuch und Austausch also im Zeichen Europas.