Haan: Dagmar Formella nach Abwahl bitter enttäuscht.

Haan : Dagmar Formella nach Abwahl bitter enttäuscht

Nach ihrer Amtsenthebung durch den Stadtrat erhebt die abgewählte Beigeordnete schwere Vorwürfe gegen die Verwaltungsspitze.

Es war ein kurzes, förmliches Gespräch, das Bürgermeisterin Bettina Warnecke mit Dagmar Formella am Dienstagabend geführt hat. „Ich habe ihr das Ergebnis der Abstimmung mitgeteilt und ihr gesagt, dass sie sich selbstverständlich mit dem Ausräumen ihres Büros Zeit lassen kann“, berichtete die Verwaltungschefin gestern über das Treffen.

Kurz vor dieser Begegnung hatte der Haaner Stadtrat die langjährige Erste Beigeordnete, die seit 45 Jahren in der Verwaltung arbeitet, mit sofortiger Wirkung ihres Postens enthoben. Das Ergebnis wies am Ende acht Gegenstimmen und eine Enthaltung aus, sodass die 29 Ja-Stimmen die benötigte Zwei-Drittel-Mehrheit sogar übertrafen.

Dagmar Formella zeigte sich in einer persönlichen Stellungnahme, die ihre Rechtsanwältin versandte, bitter enttäuscht und erhob schwere Vorwürfe gegen die Verwaltungsspitze. Insbesondere die Tatsache, dass Warnecke Ratsmitglieder aus Ermittlungsunterlagen informiert hatte, kritisierte die Wahlbeamtin. „Hierüber wurde ich bei meinem Dienstantritt am 4.April von der Bürgermeisterin nicht informiert“, schreibt sie. Es sei „geübte Verwaltungspraxis“, dass solche Prüfungsberichte den Betroffenen zugestellt werden, damit diese dazu Stellung beziehen können.

Bettina Warnecke wiederholte ihre bereits zu Beginn des Verfahrens geäußerte Position, dass sie inhaltlich keine Information an die Öffentlichkeit gebe: „Ich darf nichts aus diesem Verfahren bekannt geben und daran halte ich mich“, betonte die Bürgermeisterin. Die andere Seite gehe offenbar anders damit um „und wird ja auch immer abgedruckt“, fügte sie hinzu.

Doch auch die Ratsfraktion der GAL übte Kritik am Umgang mit der Beigeordneten: „Die vorgelegten Auszüge aus dem Ermittlungsverfahren rechtfertigen die Annahme eines nicht zu behebenden massiven Vertrauensverlustes nicht“, heißt es in einer Stellungnahme.: „Darüber hinaus haben die Mitglieder der GAL-Fraktion Frau Formella stets als fachlich kompetent und korrekt handelnde Beamtin wahrgenommen.“

WLH-Fraktionsvorsitzende Meike Lukat setzte noch einen drauf: Sie schäme sich, einem Stadtrat anzugehören, dem alle Mittel Recht seien, den  „Willen durchzusetzen“.