Wegen gestiegener Lebensmittelpreise Haaner Traditionswirt nimmt Steaks von der Karte

Haan · Gäste des Haaner „Becherhus“ müssen vorläufig auf Rindfleisch aus Argentinien verzichten. Warum Geschäftsführer Alexander Unger die Reißleine zieht und seine beliebten Steaks in seinem Restaurant erst einmal nicht mehr servieren wird.

 Ab Mittwoch werden die Steaks im Haaner „Becherhus“ von Gastronom Alexander Unger von der Karte gestrichen.

Ab Mittwoch werden die Steaks im Haaner „Becherhus“ von Gastronom Alexander Unger von der Karte gestrichen.

Foto: Köhlen, Stephan (teph)

Der Becherhus in Haan ist bekannt für seine Steaks. „Unser Koch am Grill hat von 2000 Steaks 1999 auf den Punkt gebracht, so wie es der Gast haben wollte“, sagt Restaurantchef Alexander Unger. „Ich kenne wirklich niemanden, der das Fleisch so gut hinbekommt. Und das schätzen meine Gäste.“ Doch von kommendem Mittwoch an, wenn die neue Speisekarte erscheint, wird es die Steaks vorläufig nicht mehr geben im Becherhus. „Ich habe mich dazu entschieden, weil ich sonst zu viel Geld von meinen Gästen dafür nehmen müsste“, sagt der Gastronom. „Statt 24,90 Euro müsste ich jetzt 32,90 Euro dafür verlangen. Und wie soll ich das meinen Gästen erklären? Das kann ich nicht vertreten“, betont er.

Die Folgen des Krieges in der Ukraine machen sich langsam auch in deutschen Restaurants bemerkbar. Landesweit ächzen die Wirte über die gestiegenen Lebensmittelkosten. „Wir müssen die erhöhten Preise beim Einkauf in vielen Fällen auf unsere Kunden umlegen, das heißt, dass das Essen und die Getränke in den Restaurants zum Teil teurer werden. Es ist aber noch nicht abzusehen, inwieweit die Gäste das mittragen werden“, heißt es aus der Branche.

Unger bezieht sein Rindfleisch aus Argentinien. Das Fleisch stammt seinen Angaben zufolge von einer Premiumrasse mit einer besonderen Maserung, das er über einen Lieferanten bezieht. „Wir hatten eigentlich mit der Preissituation vor dem Krieg und dem ganzen anderen Theater kalkuliert. Bis dahin konnten wir es mit Beilagen für rund 25 Euro anbieten“, erklärt er. Dann aber sei der Preis für das Rindfleisch plötzlich hochgeschossen – um zehn Euro pro Kilogramm. „Die Kalkulation ist dann zusammengebrochen. Als Wirt macht man dann null Gewinn“, erklärt er. „Und das macht dann keinen Spaß und Sinn mehr.“

Unger erklärt, warum das Fleisch so teuer geworden ist: Es sei ein Mix aus mehreren Faktoren. „Das Futter wird immer teurer, die Energiekosten steigen rasant und damit die Produktionskosten. Und dann natürlich die Logistik, die unter den höhere Benzinpreisen leidet. Und das alles wirkt sich auf den Fleischpreis aus.“

Nicht nur die Steaks sind deutlich teurer geworden; auf viele gastronomische Angebote wirkt sich die Energiekrise aus. „Aber wir können das nicht eins zu eins auf die Gäste umlegen, sondern nur moderat. Die Kunden haben privat selbst unter den erhöhten Preisen zu leiden. Wir müssen da mit viel Fingerspitzengefühl Überzeugungsarbeit leisten“, so Unger. „Es muss bezahlbar bleiben. Sonst kommen die Gäste auch nicht mehr.“

Die Entscheidung, das Steak von der Karte zu nehmen, ist Unger nicht leichtgefallen. „Gerade, weil viele unserer Stammgäste deswegen kommen. Die werden das nicht gut finden. Das tut mir in der Seele weh“, sagt er. „Aber es macht momentan leider keinen Sinn, Produkte wie das Steak auf die Speisekarte zu setzen.“

(csh)
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