Gruitener Metzgerei Rauschmann räumt Preise ab

Haan : Gruitener Metzgerei räumt Preise ab

Vier goldende Plaketten gehen im „Meisterstücke“-Wettbewerb 2019 an Wurstwaren der Metzgerei Rauschmann. Die schlachtet noch selbst.

Ein normaler Werktag, 13 Uhr in Gruiten – es ist Zeit für die Mittagspause: Eine lange Schlange hat sich entlang der breiten Verkaufstheke bei der Metzgerei Rauschmann gebildet. Einige Gäste stehen für die täglich wechselnden Gerichte an. „Frische Maultaschen“ kündigen die Tafeln vor dem Ladenlokal ebenso an wie eine „leichte Frühlingssuppe“ – oder Schweineleber und -nieren. „Die Eintöpfe und die Lebergerichte mag ich besonders gern“, verrät Kunde Bernd Küpper. Der größte Verkaufsschlager sind in der Metzgerei Rauschmann jedoch nach wie vor die Wurstwaren. Und die überzeugen offensichtlich auch die Fachwelt: Das belegen die Pokale und Urkunden im Verkaufsraum.

Die jüngsten Auszeichnungen erhielt die Metzgerei Ende März: Im „Meisterstücke-Wettbewerb für Fleisch und Wurstkultur“, an dem bundesweit 186 Betriebe teilnahmen, ergatterten die Gruitener vier goldene Plaketten. Der Rosmarin-Kochschinken und die Fleischwurst im Ring kamen bei der Jury ebenso gut an wie der Gruitener Brotschmaus – ein eigener Brotaufstrich des Hauses – und die Auerochsen-Grillwurst. Letztere ist ein Alleinstellungsmerkmal von Rauschmann, stammt sie doch von Tieren aus dem Wildgehege im Neandertal. „Die gibt es nur bei uns und in der Gaststätte Becherhus“, sagt Alexander Hennig, Inhaber der Metzgerei. Die Betreiber des Geheges hätten nach einem Partner in der Region gesucht, der die Überbestände verarbeite – so gebe es seit etwa zehn Jahren eine exklusive Zusammenarbeit mit der Metzgerei.

Die hat in der Region noch ein weiteres Markenzeichen: Sie ist der einzige vergleichbare Betrieb, der noch selbst schlachtet. Und das habe viele Vorteile, sagt Metzgermeister Hennig (39), der das Geschäft vor zwei Jahren von seinen Schwiegereltern übernahm: „Wir haben einen engen Kontakt zu den Bauern und wissen, was die Tiere gefüttert bekommen“, betont er. Sämtliche Fleischbestände stammten von Höfen der engsten Umgebung. Die Schweine etwa bezieht Hennig von einer Anlage in Nachbarschaft zum Verkehrsübungsplatz. Aber auch auf die Verarbeitung wirke sich die eigene Schlachterei aus: Sie ermögliche es dem Metzger, das Fleisch im warmen Zustand zu salzen und dadurch zusätzliche Hilfsmittel zu reduzieren. Das steigende Bewusstsein für Produkte aus regionaler Herstellung habe das Geschäft weiter beflügelt: „Die Kunden sind bereit, für ein gutes Produkt auch eine längere Anfahrt auf sich zu nehmen“, sagt Hennig.

Am Tresen steht derweil Kundin Jutta vom Bruck. „Hier kaufe ich seit über 50 Jahren Wurst und Fleisch ein – auch schon bei den alten Rauschmanns“, erzählt die Gruitenerin. 1905 gegründet, war der Betrieb stets im mit Stuck verzierten Haus an der Bahnstraße beheimatet. Zu den Stammkunden gehört auch Wahl-Gruitener Bernd Küpper, der inzwischen seine Mittagspause beendet hat: Seit vier Jahren suche er das Fleischerfachgeschäft regelmäßig auf. „Vermutlich“, erzählt er, „war ich aber schon als Kind schon hier – mit meiner Großmutter, die auch aus Gruiten kam.“