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Glückliche Gesichter beim Freizeit-Spaß in Haan

Start der Ersatz-Kirmes in Haan : Glückliche Gesichter beim Freizeit-Spaß

Die Kompromisslösung zur Haaner Kirmes zog am ersten Wochenende zahlreiche Besucher auf den Ostermann-Parkplatz und machte deutlich, wie sehr sich die Menschen nach Abwechslung sehnen. Auch die gebeutelten Schausteller wünschen sich ihr Leben zurück.

Es blinkt und funkelt, überall stehen Menschen in Trauben zusammen, schauen sich lächelnd um, zücken ihre Handys, um die Szenerie festzuhalten. Die Jahrmarktansagen aus den riesigen Lautsprechern mischen sich mit dem freudigen und adrenalingetränkten Johlen der Kinder und Teens auf den Fahrgeschäften. Der typische Kirmesgeruch aus Zuckerwatte, Popcorn und Bratwurst ist unter der Maske kaum zu vernehmen. Doch nur die wenigsten tragen sie. Lediglich im Wartebereich der Fahrgeschäfte oder in den Warteschlangen herrscht Maskenpflicht. Ansonsten fühlt sich alles fast wie früher an.

 Schausteller Peter Wilmering überreicht einem kleinen Gewinner vor seiner Losbude ein Stofftier.
Schausteller Peter Wilmering überreicht einem kleinen Gewinner vor seiner Losbude ein Stofftier. Foto: Köhlen, Stephan (teph)

„Einfach super“, schwärmt Noel euphorisch. Lange hatte der Achtjährige auf diesen Moment gewartet und freute sich jetzt mit seinen Geschwistern verschiedene Fahrgeschäfte auszuprobieren. Nur welches sie als Nächstes ansteuern würden, darüber mussten sich Kinder und Eltern noch einig werden. Für Mutter Larissa (28) ist der Freizeitspaß zwar kein Vergleich zur Haaner Kirmes, „für die Kinder und Jugendlichen ist es aber sicherlich eine gute Alternative. Besser als gar nichts.“

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Besser als nichts finden auch die Schausteller den Kompromiss. „Wir sind sehr zufrieden und sehr begeistert und dankbar, dass uns die Firma Ostermann den Platz zur Verfügung stellt“, sagt Peter Wilmering. Im Haaner Freizeitpark betreibt er eine große Losbude. Die ersten Tage seien gut besucht, doch der erfahrene Schausteller bemerkt, dass die Gäste noch etwas verhalten sind. „Das ist auch nicht verwunderlich. Jeder versucht nach der Erfahrung sein Geld zusammenzuhalten.“

 Linus (11) genießt in Haan seine Zuckerwatte.
Linus (11) genießt in Haan seine Zuckerwatte. Foto: Köhlen, Stephan (teph)

Wilmering bestritt seine letzte große Kirmes 2019 und war im vergangenen Jahr bei der Pop-up-Kirmes in Haan dabei. Dass dank Lockerungen und niedrigen Inzidenzen, ein wenig Normalität einkehrt, freut ihn sehr: „Es wird Zeit, dass wir wieder in den Rhythmus kommen. Wir sind ein fahrendes Volk. Das ist unser Leben, und das darf man uns nicht wieder wegnehmen. Denn einfach war die Zeit für uns Aussteller nicht.“ Die Existenzängste schlugen schnell aufs Gemüt. Weil Wilmering sein Geschäft mit seiner Ehefrau, seiner Mutter und seinem Schwager als Familienbetrieb führt, fehlen ihm persönliche keine Mitarbeiter. Er weiß aber, dass andere Betriebe ihre eingespielten Teams während der Lockdowns verloren haben und nun händeringend nach Mitreisenden suchen, die mitanpacken können. „Das Schwierige ist, ein komplett neues Team aufzubauen, in dem jeder seinen Platz findet und weiß, was er zu tun hat.“

Trotz allem ist Wilmering ähnlich wie seine Kollegen dankbar um jede Möglichkeit, ihre Buden aufbauen zu können. Nach Haan geht es für die Familie weiter nach Münster, zur Soester Allerheiligen-Kirmes, und am Ende des Jahres hofft Wilmering, auch ein Plätzchen auf einem Weihnachtsmarkt zu ergattern. Und nach zwei Jahren voller Kompromisse wünschen sich Schausteller und Haaner im kommenden Jahr ihre traditionelle Kirmes zurück.