Berufspool in der Gesamtschule Haan Bei der Ausbildungsmesse weht ein neuer Wind

Haan · Dass Fachkräfte gerade begehrter sind denn je, ist auch bei der Praktikums- und Ausbildungsmesse der Gesamtschule zu spüren. Die Unternehmen geben sich richtig viel Mühe.

Malermeister Jens Pichtemann spricht mit einem Interessenten. Für die Ausbildungsmesse hat er extra einen Drucker mitgebracht, der das Logo der Schule an die Wand sprüht.

Malermeister Jens Pichtemann spricht mit einem Interessenten. Für die Ausbildungsmesse hat er extra einen Drucker mitgebracht, der das Logo der Schule an die Wand sprüht.

Foto: Köhlen, Stephan (teph)

Seit die Praktikums- und Ausbildungsmesse vor rund zwanzig Jahren das erste Mal in den damaligen Haupt- und Realschulen stattgefunden hat, ist viel passiert: Aus den beiden Schulen wurde eine Gesamtschule und der Arbeitgebermarkt verwandelte sich, besonders in den letzten Jahren, zunehmend in einen Arbeitnehmermarkt. „Damals haben die Schülerinnen und Schüler noch händeringend nach Firmen gesucht, bei denen sie ein Praktikum oder eine Ausbildung machen können“, erzählt Petra van der Lest von der Bürgerstiftung, die den Bildungspool seit 17 Jahren mit betreut. „Heute ist es eher andersherum.“

Der Aufbau der 24 Unternehmen, die sich auf der Ausbildungsmesse der Gesamtschule präsentieren, steht dem auf anderen Messen in nichts nach: Damiler verteilt eifrig Werbegeschenke, das Jobcenter Wuppertal wartet mit Gummibärchen auf und am Stand des Dachdeckermeisters Marcus Vergin können Schülerinnen und Schüler selbst anpacken und Herzen aus Schiefertafeln klopfen – klar, dass das gut ankommt. Die Betriebe werben aber nicht nur mit leeren Versprechungen, an den Ständen können die jungen Menschen sich auch handfeste Fakten zum Gehalt und den Arbeitsbedingungen abholen. „Bei der Bundeswehr wird einem der Großteil der Wohnung finanziert, und wenn man nach den 13 Jahren Ausbildung weitermacht, kann man mit 55 in Rente gehen“, erzählt der Neuntklässler Max Müller. Er und sein Freund Simon Mjartan interessieren sich vor allem für Technik und IT, an der Gesamtschule machen sie ihr Abitur.

„Bei uns sind verschiedene Abschlüsse möglich, deshalb haben wir auch eine große Bandbreite von Ausbildungen und Studiengängen hier“, sagt Lehrerin Svenja Schölling, die wegen des großen Andrangs in diesem Jahr sogar fünf Unternehmen abweisen musste. Vorab konnten die Schülerinnen und Schüler sich zwei bis drei Betriebe aussuchen, über die sie auf der Messe mehr erfahren möchten, einige weitere wurden ihnen von der Klassenlehrerin empfohlen. Mit einer Tabelle bewaffnet machen sie sich nun auf den Weg, um den Firmenrepräsentanten Löcher in den Bauch zu fragen – und sich einen Stempel abzuholen. „Bei manchen merkt man, dass sie nur am Stand sind, weil es auf ihrem Zettel steht“, sagt Rainer Gilbert von der Personalabteilung des Wuppertaler Jobcenters. „Aber andere gehen mehr ins Detail und interessieren sich.“ Man merke einer Bewerbung an, ob der junge Mensch schon einmal auf einer Messe Kontakt mit der Firma hatte, erzählt er. Manche erwähnen die Begegnung sogar direkt in ihrem Abschreiben. „Wenn ein Gespräch intensiv war, dann merkt man sich das Gesicht“, so Gilbert.

Die Ausbildungsmesse habe sogar schon ganze Schicksale verändert, erzählt Peter Raddatz, Geschäftsführer seiner Gebäudereinigungsfirma. Eine Schülerin, die über seinen Stand in seine Firma kam, lernte dort einen Kollegen kennen. Jetzt sind die beiden verheiratet, haben drei Kinder und sich außerdem selbstständig gemacht. „Ich gehe im Januar in Rente“, sagt Raddatz. „Aber zur Ausbildungsmesse werde ich weiterhin kommen.“

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