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Flut-Info lässt die Wellen hochschlagen

Informationsabend in Gruiten : Flut-Info lässt die Wellen hochschlagen

Fünf Monate nach der Flut, die Teile des Dorfes stark schädigte, haben BRW, Stadt und Feuerwehr einen Info-Abend in Gruiten durchgeführt. Dabei gab es wichtige Erkenntnisse, aber auch Defizite.

Bis kurz bevor die Überflutung am Ende eintrat, ist nicht klar vorhersehbar gewesen, dass das für Gruiten zuständige Hochwasserrückhaltebecken tatsächlich überlaufen würde. Dies ist eine von diversen bitteren Erkenntnissen aus der Überschwemmungs-Nacht vom 14. auf den 15. Juli dieses Jahres, der vor allem weite Teile von Gruiten Dorf zum Opfer gefallen sind. „Alle Becken haben am 14. Juli Wasser über die Notentlastung abgeben müssen“, teilte Kristin Wedmann, Geschäftsbereichsleiterin Technik beim Bergisch-Rheinischen Wasserverband (BRW), jetzt im Rahmen einer Informationsveranstaltung mit, zu der die Stadt in den Bürgersaal eingeladen hatte. Sowohl der BRW, als auch die Feuerwehr und das städtische Tiefbauamt stellten dort in jeweils eigenen Referaten ihre Erlebnisse und Rückschlüsse aus der Unglücksnacht vor.

Eine Einschätzung teilten sie dabei durchgängig: „Selbst die Ausrichtung aller Anlagen und Vorgehensweisen auf ein Hochwasser, wie es einmal in 100 Jahren vorkommt, hätte nicht verhindern können, dass Gruiten überflutet worden wäre.“ Ergiebigster Dauerregen, auf den dann noch einmal ein Jahrhundert-Starkregen  aufsattelte – das habe alle Dimensionen gesprengt, erläuterten die Referenten. Zumal auch die Vorhersage, wo genau die Regenmassen auftreffen würden, äußerst schwierig gewesen sei: „Ein bis zwei Kilometer haben da teilweise schon den entscheidenden Unterschied gemacht, wie schwer jemand betroffen wurde“, fügte Wedmann hinzu.

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Gleichwohl wurde im Lauf der Veranstaltung deutlich, dass auch einige Versäumnisse und Mängel ins Feld geführt werden können, die die ohnehin bereits schlechte Ausgangslage im Rahmen der Flut-Ereignisse noch verstärkten: So räumte Haans Feuerwehrchef Carsten Schlipköter ein, Feuerwehrleute hätten wegen massiver Funklöcher im Dorf den Kontakt mit der Leitstelle über Festnetzanschlüsse von Anwohnern aufrechterhalten müssen. 170 nahezu parallel eingehende Notfall-Einsätze hätten außerdem dazu geführt, dass das Einsatzgeschehen nicht mehr richtig koordiniert werden konnte.

Mit Unverständnis reagierten viele der etwa 60 anwesenden Gruitener allerdings wenig später auf den Hinweis, sie sollten in Zukunft doch verstärkt auf Warn-Apps zurückgreifen, die ja ebenfalls Mobilfunkempfang voraussetzen. Selbst die Sirenen, so führte Schlipköter aus, entsprächen in Haan oft nicht mehr dem zeitgemäßen Standard und müssten modernisiert werden.

„Wenn das alles doch bekannt ist, warum kann man im Ernstfall dann nicht einfach mal mit einem Megaphon durchs Dorf fahren und eine Ansage machen?“, wollte eine Anwohnerin wissen.

Auch fühlten sich viele von der Stadt nicht gut über die bereits 2015 erfolgte behördliche Festsetzung weiter Teile des Dorfes als Überflutungsgebiet informiert. Den Hinweis von Tiefbauamtsleiter Guido Mehring, dafür sei die Düsseldorfer Bezirksregierung zuständig – und dennoch habe die Stadtverwaltung über ihr Amtsblatt, die örtliche Presse und eine Auslegung der Karten für weitere Verbreitung der Infos gesorgt, sahen sie als nicht ausreichend an: So eine wichtige Nachricht erfordere auch wirksame Verbreitung, hieß es. Eine Anwohnerin brachte die Kritik auf den Punkt: „Sie haben so schöne Etiketten in Haan – ,Fairtrade-Stadt‘, ,Klimafreundliche Stadt‘. Wie wäre es denn, wenn Sie sich zur Abwechslung mal um den Titel ,Bürgerfreundliche Stadt‘ bemühen würden?“