Flüchtlinge: Stadt startet neuen Versuch einer Gefahrenanalyse

Ehemalige Landesfinanzschule : Flüchtlinge: Stadt startet neuen Versuch einer Gefahrenanalyse

Sie soll Aufschluss darüber geben, ob der Wachdienst für die Not-Unterkunft tagsüber eingespart werden kann.

Ein erster Versuch ist erfolglos geblieben, weil keine Bewerber gefunden wurden. Das hält die Stadt Haan jedoch nicht davon ab, einen zweiten Versuch zu wagen. Die Verwaltung sucht zurzeit per Ausschreibung nach Anbietern, die eine Gefahrenanalyse erstellen sollen. Es geht um die ehemalige Landesfinanzschule an der Kaiserstraße. Im Sommer 2015 eröffnete sie in der neuen Funktion einer Flüchtlingsunterkunft – es wurde der Auftakt zu einer Erfolgsgeschichte.

Vor zwei Jahren zog die Caritas eine Bilanz, die viel Positives vereinte: Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, Irak, Iran oder Eritrea hätten nach ihren schrecklichen Erfahrungen mitten in der Stadt vorübergehend  eine feste und sichere Bleibe gefunden, hieß es.

Ehrenamtliche Kinderbetreuung, Freizeitaktivitäten und Sprachförderungsangebote – all das half den Flüchtlingen der Caritas zufolge bei ihren Versuchen, erste Schritte in die Gesellschaft unternehmen.

Jetzt soll ein weiterer Schritt vollzogen werden. Da in der ehemaligen Landesfinanzschule mittlerweile nur noch 47 Flüchtlinge untergebracht sind, denkt die Stadt darüber nach, den Sicherheitsdienst tagsüber auszusetzen und nur noch in der Nacht Wachleute vor Ort zu behalten. Ein Schritt, der sich als weiterer Erfolg herausstellen könnte, aber leicht auch nach hinten losgehen kann, wenn er nicht gut vorbereitet ist.

Aus diesem Grund hat sich die Stadt Haan dazu entschlossen, eine Gefahrenanalyse in Auftrag zu geben. Je nach Ergebnis, soll der Stadtrat dann entscheiden. In der vergangenen Ratssitzung berichtete die Verwaltung allerdings, dass sich das Vorhaben schwierig gestalte. Eine erste Ausschreibung des Auftrags sei ohne Rückmeldung geblieben. Man habe daraufhin eine zweite auf den Weg gebracht und die Bedingungen etwas verändert. Jetzt sei man einigermaßen zuversichtlich, einen Anbieter zu finden.

Seit 1966 wurde das alte Haaner Krankenhaus mit seinen Nebengebäuden als Landesfinanzschule genutzt. Sie zog nach Wuppertal-Ronsdorf. Nach Angaben eines Sprecher des NRW-Liegenschaftsbetriebs von damals umfasst das Grundstück, auf dem die Landesfinanzschule steht, rund 6562 Quadratmeter. Die Nutzfläche in den Gebäuden beträgt 7400 Quadratmeter. Der Internatsteil der Schule zählt 126 Zimmer. Die ältesten Gebäudeteile sind aus dem Jahr 1896, die jüngsten aus 1968.

Das kam auch der neuen Nutzung als Flüchtlingsunterkunft zugute. Mehr noch: Mit Unterstützung von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden konnten Bewohner nach einiger Zeit sogar erste berufliche Erfahrungen in Praktika und Arbeit machen.

Ein Abzug des Tages-Wachdienstes – da sind sich nahezu alle einig – wäre ein weiterer Schritt in Richtung Normalität.

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