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Feuerwehr Haan rettet 26 Menschen aus den Fluten

Dramatischer Unwettereinsatz : Wehr rettet 26 Menschen aus den Fluten

Die Retter befreien Kinder und Erwachsene aus einem mitgerissenen Fahrzeug auf der Flurstraße. Auf der Ittertalstraße stürzt ein Baum auf ein Auto mit drei Insassen. Insgesamt 171 Einsätze meldet die Feuerwehr.

Dramatischer als bislang bekannt verlief der Unwettereinsatz der Feuerwehr Haan. Insgesamt mussten die Einsatzkräfte 26 Menschen aus Häusern und Autos retten. Sie waren eingeschlossen. Aus einem Auto auf der Flurstraße befreiten die Feuerwehrleute zwei Kinder und zwei Erwachsene – alle unverletzt. Sie waren zuvor von den Fluten mitgerissen worden.

„Die Feuerwehr Haan wurde innerhalb der letzten 46 Stunden zu 171 Einsätzen innerhalb des Haaner Stadtgebietes alarmiert“, erklärt Stefan Longerich von der Feuerwehr am Freitag. „Bei 160 Einsätzen, wurden unsere Einsatzkräfte tätig, um Wasser zu pumpen oder Gebäude vor Wassereintritt zu schützen. Bei sieben Einsätzen war es notwendig, Bäume von Straßen zu beseitigen, und bei vier Einsätzen musste weitere Hilfeleistung durchgeführt werden.“

Zu einem weiteren dramatischen Einsatz kam es laut Stefan Longerich im Bereich der Ittertalstraße. Dort war ein Baum auf ein Auto mit drei Insassen gestürzt. „Glücklicherweise konnten die Insassen unbeschadet aus dem Pkw gerettet werden“, erklärt der Feuerwehrsprecher. Noch während die Retter die Menschen aus ihrer Notlage befreiten, stürzten in unmittelbarer Nähe der Rettungkräfte weitere Bäume auf die Straße. Nachdem die Menschen aus ihrem Auto befreit waren, zogen sich die Feuerwehrleute umgehend zurück, um sich selbst in Sicherheit zu bringen. Der Haaner Bauhof hat die umgestürzten Bäume gleich am Donnerstag entfernt.

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In Gruiten-Dorf hatten die Einsatzkräfte in der Nacht zu Donnerstag ebenfalls eine Menge zu tun. Dort war die Düssel übergetreten und hatte weite Teile des Ortsteils überflutet. Das Wasser stand etwa einen Meter hoch. Ein Straßenzug musste evakuiert werden. „Hierbei wurden ebenfalls sechs Personen durch die Feuerwehr gerettet“, berichtet Stefan Longerich.

Die Feuerwehr unterstützte die Anwohner bei den Aufräumarbeiten am Donnerstag mit leistungsstarken Pumpen, so dass zeitweise mehrere 1000 Liter Wasser pro Minute wieder zurück in die Düssel geleitet werden konnte.

„Auch Bauteile der Infrastruktur hielten den Wassermassen nicht stand, so dass immer wieder Trafohäuser vor Wassereintritten geschützt werden mussten. In Gruiten kam es während Pumparbeiten zu einem Kurschluss in einem Trafohaus, in dessen Folge dieses anfing zu brennen“, berichtet der Sprecher weiter. Die Feuerwehr hatte den Brand schnell unter Kontrolle. An der Grenzstraße ist eine Zufahrtsbrücke teilweise eingestürzt.

Die Feuerwehr Haan war während des Unwettereinsatzes mit allen drei Löschzügen, sowie der hauptamtlichen Wache mit insgesamt 13 Fahrzeugen im Einsatz.

Ein Lob richtet der Feuerwehrsprecher an alle Haaner: „Besonders erfreulich ist die enorme Dankbarkeit, welche der Feuerwehr an ihren Einsatzstellen durch die Bevölkerung in Form von netten Worten und Verpflegung entgegengebracht wurde. Das hat maßgeblich dazu beigetragen, dass diese enorm intensive und langanhaltende Lage durch die Feuerwehr Haan bewältigt werden konnte“, sagt Stefan Longerich.

Das Kreisgesundheitsamt hat ein Abkochgebot für Trinkwasser für die Städte Wülfrath, Velbert, Heiligenhaus und Ratingen angeordnet. Das Trinkwasser in Haan ist in Ordnung, betont Stadtwerke-Geschäftsführer Stefan Chemelli: „Wir haben schon zahlreiche Anrufe von besorgten Bürgern erhalten. Die Versorgung mit Trinkwasser in Haan ist sichergestellt, sowohl was die Qualität angeht als auch die Menge.“

Der Starkregen hat zahlreiche Schäden an Straßen und Wegen hinterlassen, besonders am Dorfanger in Gruiten und im Haaner Bachtal, berichtet die Stadt. Das Pflaster in Gruiten Dorf muss komplett saniert werden. Zudem wurde die Brücke an der Breidenhofer Mühle durch die Wassermassen vollständig weggerissen und musste die Brücke an der Grenzstraße gesperrt werden. Sie muss nach erster Einschätzung abgerissen werden, so Stadtsprecherin Sonja Kunders. Außerdem würden Straßen überprüft, die ggegebenenfalls unterspült sein könnten.

Die Baumschäden hielten sich nach aktuellen Erkenntnissen insgesamt in Grenzen. Das Tiefbauamt lasse die Kanäle und Gullys von Treibgut und Abfall reinigen.

Für das Strom-Netz in Haan ist Westnetz, nicht die Stadtwerke Haan verantwortlich. Am Müllersberg war ein Strommast unterspült worden, berichtet eine Westnetz-Sprecherin: „Inzwischen wurde ein Provisorium aufgebaut. Deshalb war die Versorgung eine Zeitlang unterbrochen.“  In Gruiten sei die Ortsnetzstation Kirchberg aktuell außer Betrieb. Ein Provisorium soll für Ersatz sorgen. Das könne aber noch einige Zeit dauern. Die Ortsnetzstation an der Düssel sei inzwischen wieder in Funktion. Vor dem Einschalten müssten aber noch die Häuser, die von dort versorgt werden und überflutet wurden, elektrotechnisch überprüft werden.

Um die vom Hochwasser besonders Betroffenen in Gruiten-Dorf schnell und unbürokratisch zu unterstützen, hat die Stadtverwaltung Containern zur Sperrmüllentsorgung organisiert und auf dem Parkplatz an der Kirche aufgestellt. Die gesperrten Straßen seien wieder frei.

Haans französische Partnerstadt Eu hat die Entsendung von einigen Feuerwehrleuten angeboten. Davon möchte die Stadt zunächst keinen Gebrauch machen,  weil die hiesige

Wehr die Lage im Griff habe.