Familiengut Scheifenhaus über 40 Jahre entwickelt

Haan : Familiengut über 40 Jahre entwickelt

Karl-August Niepenberg übernahm vor vier Jahrzehnten Gut Scheifenhaus und verschaffte ihm wieder Perspektiven.

An diesem und am nächsten Wochenende wird absoluter Hochbetrieb herrschen auf dem ansonsten beschaulichen Gut Scheifenhaus an der Vohwinkeler Straße. Hunderte Familien werden anreisen und sich einen Weihnachtsbaum aussuchen und schlagen oder einen längst reservierten abholen. Zwischen 16.000 und 18.000 Bäume – überwiegend Nordmanntannen, einige Blau- und noch wenige Rotfichten – gedeihen auf den Flächen an der Vohwinkeler Straße und unterhalb des Osterholz-Waldes.

Die Weihnachtsbaum-Produktion ist eines der Standbeine, die Karl-August Niepenberg für das Anwesen der Familie entwickelt. 1978 übernahm der damals 28-Jährige zusammen mit seiner 2017 verstorbenen Frau Annette das Anwesen. Das hatte in mehr als 20 Jahren Verpachtung an familienfremde Landwirte sehr gelitten. „Als wir anfingen, gab es hier nicht einmal mehr einen Hammer oder Spaten, geschweige denn einen Trecker“, erinnert sich der promovierte Agrarwissenschaftler.

Nach dem Zweiten Weltkrieg begannen die Probleme, als der ältere Bruder von Karl-Augusts Vater Karl Niepenberg auf einen größeren Hof in Düsseldorf einheiratete. Großvater Niepenberg mochte das Familienanwesen nicht an Karl übertragen, der Mitte der 1950er Jahre dann aus der Verantwortung für seine fünfköpfige Familie eine Karriere bei der Bundeswehr vorzog.

1978 gab es die erste Einsaat von Raps, Zuckerrüben und Getreide. 1980 wurden die ersten Weihnachtsbäume gesetzt auf hofnahe Flächen, die eh gepflegt werden mussten, die aber für normale Landwirtschaft nicht geeignet waren. Die Anregung hatte Niepenberg in seiner beruflichen Funktion als Berater der Landwirtschaftskammer Bonn bei einem Kunden aufgenommen.

Viele Jahre baute Niepenberg Dinkel- und anderes Biogetreide für die Haaner Bäckerei Schüren an. Die Kooperation wurde unter anderem mit dem Umweltpreis der Stadt Haan gewürdigt. Dann verfielen die Preise für Biogetreide. Und die Bio-Ackerbohnen konnten irgendwann nicht mehr für die Schweinemast abgesetzt werden. Jetzt läuft auf den von Landwirt Andreas Imbusch genutzten Niepenbergschen Flächen die klassische rheinische Fruchtfolge – Zuckerrüben, Weizen, Raps und Weizen.

Ehemalige Stallungen und Scheunen verwandelte Niepenberg, der früher Architekt werden wollte, in Wohnraum, dessen Vermietung ein zweites Standbein wurde. Die 600 Quadratmeter großen Dachflächen einer Halle, die für immer größere Maschinen nötig war, ließ Niepenberg mit Photovoltaik-Elementen ausrüsten. Die gewonnene Energie reicht aus für den Jahresbedarf von 18 vierköpfigen Familien. Der Strom wird ins Netz eingespeist. In wenigen Jahren wird sich die Investition amortisiert haben. Der Stromverkauf ist noch eine Säule des Geschäfts. Für die Zeit nach Auslaufen der Einspeise-Verträge hat Niepenberg schon eine Idee. „Eine Strom-Tankstelle wäre denkbar!“

Für das Baugebiet Hasenhaus verkaufte die Familie große Flächen. Der Erlös ermöglichte den zukunftssicheren Ausbau durch Zukäufe und Arrondierungen von Flächen. Damit ist Gut Scheifenhaus von anfangs 30 Hektar (inklusive 8 Hektar Wald) auf jetzt 55 Hektar Acker- und Weidefläche plus 15 Hektar Wald gewachsen. „Jetzt ist der Hof groß genug, um eine Familie ernähren zu können“, sagt Karl-August Niepenberg. Sohn Arnd (41) oder/und Tochter Eva (36) werden die Familientradition in jedem Fall fortsetzen. Zunächst aber steht erst einmal der Weihnachtsbaum-Verkauf 2018 im Fokus.