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Haan: Eltern suchen verzweifelt einen Kita-Platz

Haan : Eltern suchen verzweifelt einen Kita-Platz

31 Familien stehen in Haan aktuell auf der Warteliste, weil sie einen Betreuungsplatz in einer Kindertagesstätte suchen.

Timm und Janine Schleif hatten in den vergangenen Wochen schlaflose Nächte. Für ihre kleine Tochter Melinda (3) brauchten die beiden berufstätigen Eltern dringend einen Platz in einer Kindertagesstätte. Frühzeitig genug hatten sie Melinda in mehreren Einrichtungen angemeldet. Doch zuletzt befürchteten sie Schlimmstes: Denn nachdem alle Termine verstrichen waren, an denen die Stadt Haan Zusagen versendet, und sie keinen Bescheid bekommen hatten, mussten sie eine Ablehnung befürchten. Das hätte bedeutet: Melinda hat keinen Kita-Platz.

Mit ihrem Problem standen die Schleifs nicht alleine da. Wie die Sprecherin der Stadt Haan, Sonja Kunders, berichtet, stehen zurzeit 31 Haaner Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren auf der Warteliste für einen Kita-Platz. Wie viele Ablehnungsbescheide die Stadt Haan für das kommende Kita-Jahr versenden muss, steht erst in ein paar Tagen fest, denn "das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen. Die Ablehnungen werden erst Ende Februar verschickt", sagt Kunders.

Für die Familie Schleif wiederholte sich ihr Alptraum nun schon zum zweiten Mal. Bereits im vergangenen Jahr hatte es mit einem Kita-Platz für Melinda nicht geklappt. Auch damals hatte Janine Schleif ihre Tochter in Kindertagesstätten angemeldet, die dem Wohnort am nächsten liegen. Doch weil ein Ablehnungsbescheid ins Haus flatterte, besucht Melinda seit Mai 2016 eine Tagesmutter. Den Platz bei ihr vermittelte das Jugendamt. Diesen Platz aber wird sie künftig nicht mehr nutzen können. Denn wie Sonja Kunders, Sprecherin der Stadt Haan, bestätigt, hätte Melinda mit drei Jahren keine Tagesmutter mehr besuchen dürfen. Kunders: "Haaner Tagesmütter betreuen U3-Kinder. Drei- bis Sechsjährige werden von Tagesmüttern nur in der Randzeiten-Betreuung betreut." Doch selbst wenn diese Regel für einen Sonderfall aufgeweicht würde, hätte Melinda nicht die Chance gehabt, bei "ihrer" Tagesmutter zu bleiben. Denn die hat für das kommende Betreuungsjahr, das am 1. August beginnt, bereits neue Kinder angenommen; alle Plätze für unter Dreijährige sind damit belegt, weiß Janine Schleif. Daher hoffte sie auf Alternativvorschläge seitens der Stadt. Das Dilemma: Weil bis auf die "Alleezwerge" alle Kindertagesstätten nicht von der Stadt Haan, sondern von freien Trägern betrieben werden, "glaube ich nicht, dass das Jugendamt die Möglichkeit hat, mir doch noch einen Kita-Platz anzubieten", befürchtete die 34-Jährige.

Auf ihre Berufstätigkeit verzichten, das kann und will die Verkäuferin nicht. Ehemann Timm ist Chemikant. Die Familie kann das Geld, das sie hinzuverdient, gut brauchen. Melinda ist ein fröhliches und lebenslustiges Kind, das schnell Kontakte knüpft - Janine Schleif ist fest davon überzeugt, dass eine Kindertagesstätte für ihre Tochter das Richtige ist. "Was soll ich jetzt machen?", fragte die 34-Jährige. "Es kann doch nicht sein, dass wir jetzt im zweiten Jahr in Folge wieder abgelehnt werden."

Für Janine Schleif hat die Stadt Haan zwischenzeitlich eine Lösung gefunden. Die kleine Melinda kann ab 1. August kommenden Jahres in die städtisch geführte Kita "Alleezwerge" gehen. "Das ist zwar nicht meine Wunsch-Kita", sagt Janine Schleif. "Aber Hauptsache, wir haben einen Platz." Und dass Haaner Kitas überhaupt noch weitere Kinder aufnehmen können, ist oft nur dem Umstand zu verdanken, dass die Kindertagesstätten überbelegt sind. Zugleich dürfte die Zahl der Betroffenen ohne Betreuung noch deutlich ansteigen. Die Auswertung aller Absagen, die die Stadt Eltern übersenden musste, wird es in den kommenden Tagen zeigen.

(arue)