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Ein "Zirkelmesser", das Ressourcen schont

Auch Haan macht mit : Innovation im Bergischen: „Zirkelmesser“ aus Industrieabfällen

„RegRess“, ein Projekt unter dem Dach „Urbane Produktion im Bergischen“ hat ein neues Messer auf den Weg gebracht, das Ressourcen schont. Das Druckhaus Fischer aus Haan liefert die nachhaltige Verpackung dazu.

Lieferengpässe und Nachhaltigkeit bestimmen immer mehr den Produktionsalltag. Von daher lag die Idee nahe, beispielsweise aus Industrieabfällen neue Produkte zu kreieren – um Ressourcen zu sparen.

Gerade in der im Bergischen stark vertretenen Metallverarbeitenden Industrie „gibt es Abfälle von Unternehmen, „die andere aber im Sinne der Nachhaltigkeit noch verwerten können“, sagt Franz Wieck von der Bergischen Universität, Fachgebiet Produktsicherheit und Qualität.

Entstanden ist aus dieser Idee ein typisch bergisches Produkt – ein Küchen- beziehungsweise ein Schlachtermesser, das nun den Namen „Zirkelmesser“ trägt und zunächst in einer limitierten Auflage von etwa 200 Messern entstanden ist. „Beim Herstellungsprozess wird das genutzt, was in anderen Produktionen ,abfällt’, es werden keine neuen Rohmaterialien eingesetzt“, erklärt Projektleiter Wieck.

„Grundstoff“ des neuen Produktes sind Industriekreismesser der Firma TKM aus Remscheid, dem Unternehmen des früheren IHK-Präsidenten Thomas Meyer. Diese Industriekreismesser können irgendwann nicht mehr nachgeschliffen werden und müssten mit einigem Aufwand entsorgt beziehungsweise wieder zu Stahl geschmolzen werden. „Aus den verschlissenen Kreismessern aus hochwertigem Stahl werden nun Messer-Rohlinge geschnitten“, erklärt Franz Wieck zum Prozedere.

 Auch die Verpackung für das „Zirkelmesser“ wurde aus alten Materialien gewonnen.
Auch die Verpackung für das „Zirkelmesser“ wurde aus alten Materialien gewonnen. Foto: Uwe Vetter
  • Projektpartner(v.l.): Maximilian Fischer, Projektleiter Franz Wieck,
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Darum kümmert sich in Solingen die Hans Mensler Blechverarbeitung, die aus dem Altprodukt ein neues Messer lasert. Bei der Güde GmbH an der Katternberger Straße werde die neuen Messer geschliffen. „Das ist keine großes Problem für uns. Der Stahl der Kreismesser ist zwar hart und zäh, zudem aus rostendem Stahl“, sagt Dr. Karl-Peter Born. Der Güde-Geschäftsführer kann dem Stahl aber gute Eigenschaften nicht absprechen. „Der Stahl ist sogar besser“, sagt Born mit Blick auf das Material.

Auch für die Kunststoffgriffe der Zirkelmesser wird ein 100 prozentiges Abfallprodukt verwendet. Den steuert die Wuppertaler Firma Schmersal bei.

„Das ist ein tolles Projekt. Die Verantwortung für die Umwelt gehört zu unseren zentralen Unternehmenswerten“, sagt Kubilay Garipoglu, Fertigungsleiter bei Schmersal.

Das klingenstädtische Unternehmen Hermann & Schmachtenberg fertigt schließlich die Kunststoffgriffe, das Druckhaus Fischer aus Haan hat eine nachhaltige Verpackung geliefert. „Die Bergische Universität ist auf uns zugekommen“, sagt Max Fischer, „zumal wir uns schon länger dem dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen“.

Betreut wird das Projekt von der Bergischen Struktur- und Wirtchaftsförderungsgesellschaft. „Eine Hand greift hier in die andere“, sagt Geschäftsführerin Uta Schneider.

Und die ökologischen Effekte können sich sehen lassen: Es wird nur ein Siebtel der Energie für die Herstellung der Zirkelmesser benötigt, der Wasserverbrauch reduziert sich auf ein Hundertstel, der CO2-Fußabdruck auf ein Sechstel. Und auch nicht zu unterschätzen: Es fallen kaum Transportwege an.

Rund 200 Messer sind im Rahmen des Pilotprojektes entstanden. Die Messer zum Preis von rund 40 Euro sind begehrt. „Alle Beteiligten in der Herstellungskette profitieren“, sagt Güde-Chef Karl-Peter Born.

Denkbar sei es für die Beteiligten, auch andere neue Produkte aus Roh- und Abfallmaterialen aus den Herstellungsprozessen der Metallverarbeitenden Industrie herzustellen. „Wir wollten mit dem Schlachtermesser einen Denkanstoß gegeben“, sagt Karl-Peter Born. Projektleiter Franz Wieck ist zuversichtlich und bietet an: „Das Projekt ist offen für alle Unternehmen in der Region.“

Er ist ohnehin kreativ, wenn es darum geht, Güde-Messer mit einem besonderen Pfiff auszustatten. So hat er sich das Holz des ausgedienten Wasserrades vom Balkhauser Kotten gesichert und schmückt nun Messer aus der Güde-Produktion mit Holzgriffen aus eben diesem Wasserrad.