Düsseldorfer Star-Architekt baut Bungalow in Haan

Flughafen und Mannesmann-Hochhaus:  Bungalow-Historie beginnt in Gruiten

Mit Bauten wie  dem Mannesmann-Hochhaus hat Star-Architekt Esleben Nachkriegsarchitektur geprägt – auch in Haan.

Sein Nachlass befindet sich in den Räumlichkeiten der Technischen Universität München, seine Bauten stehen überwiegend in Düsseldorf. Dort schuf er unter anderem die Haniel-Garage oder das Mannesmann-Hochhaus. Darüber hinaus geht das Hauptgebäude des „Konrad-Adenauer-Flughafen“ Köln-Bonn auf sein Konto.

Doch auch in Haan hat Star-Architekt Paul Schneider-Esleben, der vor 100 Jahren geboren wurde, Spuren hinterlassen – einen der ersten Bungalows, die in  der Bundesrepublik gebaut wurden.

Die Parkstraße in Gruiten: Wer nicht genau weiß, wonach er suchen muss, wird an der holzvertäfelten und von Blattwerk überrankten Fassade vorbeilaufen, ohne zu ahnen, welche  Bedeutung der unscheinbare Bungalow für die Architekturgeschichte Deutschlands hat.

Das im kalifornischen Stil entstandene Gebäude hat Vorbild-Charakter für die meisten Bungalows, die in den siebziger-Jahren in Deutschland entstanden. Schneider-Esleben entwarf es für die kunstbeflissene Familie Riedel, der das Gebäude noch heute gehört.

Flugzeuge vor dem Terminal des Flughafens Köln-Bonn. Paul Schneider-Esleben entwarf es im Jahre 1970. Foto: dpa Foto: dpa/Oliver Berg

Es war 1952, als sich der Architekt daran machte, eines der ersten Wohnhäuser mit einem Flachdach zu bauen. Sein Auftraggeber: Der junge Ingenieur Erich Riedel, damals technischer Direktor einer Stahlbaufirma.

Die Stadt Haan hat das bedeutsame Gebäude, das über einen Pool und ein lichtdurchflutetes Wohnzimmer verfügt, im vergangenen Jahr unter Denkmalschutz gestellt.

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Paul Schneider-Esleben war der Sohn des Düsseldorfer Architekten und Denkmalpflegers Franz Schneider (1877–1947) und seiner Ehefrau Maria Anna Elisabeth Esleben (1881–1950). Er wuchs mit sechs Geschwistern in einem katholisch-konservativen Umfeld auf.

Bekannt wurde er Anfang der 1950-Jahre – zuerst durch seine bis 1952 erbaute gläserne Hochgarage („Haniel-Garage“). Sie war Deutschlands erstes Parkhaus nach dem Krieg und entstand an der Grafenberger Allee in Düsseldorf. Mit dem Projekt knüpfte er an die Tradition der klassischen Moderne an.

Das 1962 errichtete Hochhaus der Commerzbank und das 1957 fertiggestellte Mannesmann-Hochhaus am Rheinufer (beide in Düsseldorf) gelten als wichtige Hochhäuser der frühen deutschen Nachkriegsmoderne im Internationalen Stil. Neben diesen Großprojekten schuf der Architekt Einfamilienhäuser und Kirchen. Als sein bedeutendster Sakralbau gilt der 1954 in Düsseldorf errichtete Neubau der im Krieg teilzerstörten katholischen Kirche St. Rochus.

Von 1961 bis 1970 lehrte Schneider-Esleben als Architektur-Professor an der Hamburger Hochschule für Bildende Künste. Sein bedeutendstes Werk aus dieser Zeit ist der Köln-Bonner Flughafen, den er als ersten „Drive-in-Airport“ in Europa konzipierte. Sein „Stufenhaus“ der ARAG-Versicherung aus den 1960er Jahren wurde 1998 wegen angeblicher Bauschäden abgerissen.

Die Auszeichnungen für seine Karriere sind vielfältig. Schneider-Esleben erhielt unter anderem 1987 das große Verdienstkreuz der Bundesrepublik. Er war Zeit seines Lebens ein begeisterter Segler, aber auch Flieger und Autofahrer. Seine Affinität zu Geschwindigkeit brachte ihm den Spitznamen Schneider-Jetleben ein. Er ist Vater von Florian Schneider-Esleben, einem der Gründer der Kultband Kraftwerk. Am 19. Mai 2005 starb er mit  89 Jahren auf seinem Gut in Fischbachau.

Hinterlassen hat er ein Stück Baugeschichte – mitten in Gruiten.

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