Dieter Jürgens will mit Hund Paul im Wohnmobil leben

Haan : Sein Ziel: Bescheidenes Leben auf vier Rädern

Eine Wiese. Ein paar Bäume drumherum. Und vielleicht auch noch ein kleines Eckchen nebendran, um dort Gemüse anzupflanzen. Wo andere ausschweifende Träume haben und Villen mit Pool bauen möchten, bleibt Dieter Jürgens bescheiden. Er sucht einen Platz für sich und seinen Hund Paul. Und für seinen Daimler Benz T2 711D, in dem beide gerne wohnen würden.

Ruhig sollte es sein und mitten in der Natur – ohne viel Pomp und Getöse. Im Gegenteil, Dieter Jürgens fühlt sich von den vielen Dingen in seiner Haaner Innenstadtwohnung erdrückt. „Ein Stuhl, zwei Stühle....und irgendwann hat man sechs Stühle, auf denen man nicht sitzt“, spricht er über Materielles, dass ihm zur Last geworden ist. Über die Jahre hinweg sammle sich Krempel in den Schubladen, den man nicht mehr brauche. „Was soll ich mit einem Kleiderschrank voller Klamotten“, sagt er über den Lebenswandel des Anhäufens. Fernsehgucken? Macht er schon lange nicht mehr. Für den Kontakt zur digitalen Welt genügt ihm sein Laptop, viel ist er aber auch damit nicht unterwegs. Bücher? Ja, so einige – vor allem die von Hermann Hesse. Östliche Weisheitslehren, Naturverehrung und Ablehnung des bürgerlichen Establishments: Schon die Hippies hatten den Literaturnobelpreisträger zum literarischen Guru gemacht. Der Anti-Spießer, zu Aufbruch und Veränderung lockend: Schaut man auf den Lebenswandel von Dieter Jürgens, passt das ganz wunderbar.

Der 61-Jährige hat schon etliche Male die Zelte hinter sich abgebrochen und gesagt: „Die Zeit ist reif, jetzt muss sich etwas ändern.“ Für sein berufliches Leben gilt das nicht: Dafür hat er – bei der Evangelischen Stiftung Hephata arbeitend – gänzlich andere Maßstäbe. Dort brauchen Menschen mit Behinderung verlässliche Ansprechpartner und zu denen gehört Dieter Jürgens seit mittlerweile 20 Jahren.

Im Privaten liefen die Dinge hingegen anders. Da ist er immer wieder aus dem Trott ausgestiegen, hat in Wohngemeinschaften und einmal sogar in einem amerikanischen Bus gewohnt. Zehn Jahre hatte er den im Grünen geparkt, irgendwo in Mettmann. Küche, Couch und Bett: Auf 11 Busmetern hatte Dieter Jürgens alles, was man zum Überleben brauchte. „Das war die beste Zeit in meinem Leben“, sagt er selbst im Rückblick auf einen Lebensentwurf, dem er noch immer viel abgewinnen kann. Von der Natur umgeben und mit wenig Platz für unnötigen Ballast: So würde er gerne wieder wohnen, um sich frei zu fühlen. Und nun sucht er jemanden, der ihm und Paul sagt: Kommt her mit dem Bus, hier könnt ihr das machen!

Sein größtes Problem: Wohin mit den Dingen, die sich über Jahre hinweg in der Haaner Wohnung angehäuft haben? Der Enkeltochter überlassen? Wohl kaum, die tummelt sich mit Freunden eher in digitalen Welten. Bücher verkaufen? Hm, wer liest denn noch bedrucktes Papier? Sich selbst auf das Wesentliche beschränken und entschleunigen: Das stellt einen vor ungeahnte Herausforderungen. Und Dieter Jürgens? Der ist hoffnungsvoll, dass es irgendwo jemanden gibt, auf dessen Wiese er mit Paul und dem Campingbus „einziehen“ darf.