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Der Park Ville d’Eu ist eine Oase mitten in Haan

Park Ville d’Eu : Sieben Fakten, die Sie vielleicht noch nicht kennen

Der Park Ville d’Eu an der Königstraße ist die älteste Parkanlage in Haan und bildet zusammen mit dem darin stehenden Musikpavillon ein denkmalgeschütztes Ensemble im Stadtzentrum, das als Symbol für die „Gartenstadt“ Haan gilt.

1)  Geschichte Das Gelände an der Königstraße, zwischen der heutigen Kaiser- und Bismarckstraße gelegen, wurde im August 1926 durch Vertrag von Frau Geheimrat Jung aus Elberfeld der Stadtgemeinde Haan unentgeltlich überlassen, zum Zwecke, es in eine öffentliche gärtnerische Anlage umzuwandeln. Der frühere Gartenbaudirektor von Düsseldorf – Walter Baron von Engelhard – fertigte den ersten Gestaltungsentwurf. Engelhard setzte sich stets für ein harmonisches Zusammenspiel von Kultur und Natur im Gartenkunstwerk ein. Mittelpunkt der Anlage sollte der Musikpavillon sein. Viele Bänke sollten zum Ausruhen einladen. In der Mitte hatte der Planer ein Wasserbecken vorgesehen, das allerdings aus Kostengründen nicht verwirklicht wurde. Sowohl am Nord- als auch am Südende des Parks waren Kinderspielbereiche geplant. Eröffnet wurde die Parkanlage im Jahre 1927. Ihren heutigen Namen „Park Ville d’Eu“ erhielt sie 1982 zum 15-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft Haan/Eu.

2) Promenadenkonzerte Zwei höhenversetzte Wege beidseits des Pavillons sollten zum Promenieren einladen. Taten sie auch. In Haan gab es eine Vielzahl von Chören und Musikvereinen, die in der wärmeren Jahreszeit gern Konzerte gaben. Bis in die 1980er Jahre hinein bot das städtische Kulturprogramm sogenannte „Promenadenkonzerte“. Die Überlegung, solche Veranstaltungen nach einer Parksanierung im Jahr 2002 wieder aufzunehmen, wurde verworfen. Künstler hätten gegen den Lärm der nahen und stark befahrenen Bundesstraße anspielen/-singen müssen.

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3) Sanierung 2001/02  73 Jahre nach Eröffnung des Parks waren im Jahr 2000 aus den Beeten mit Blumen längst Rasenflächen geworden und von den Wegen mit begleitenden Hecken nicht mehr viel übrig geblieben. „Die Parkanlage dokumentiert sehr anschaulich einen Teil der Gartenkunst der 20er Jahre des Rheinlandes und ist aus der Gartendenkmalpflege aus gartenkünstlerischen und städtebaulichen Gründen als ein wichtiges Zeitdokument zu erhalten und zu schützen“, zog damals Petra Engelen vom Rheinischen Amt für Denkmalpflege in einem Gutachten Bilanz. Das große Problem der Stadt Haan: Für eine Sanierung fehlte das Geld. Aus Verbundenheit zum Standort Haan sagte die Stiftung der Timken Europa GmbH Mittel für den städtischen Anteil zu, der bei Inanspruchnahme von Landesmitteln aufzubringen gewesen wären. 115.440 Euro  flossen vom Unternehmen, knapp 43.400 Euro als Landeszuschuss. Die Evangelische Kirchengemeinde zahlte 15.650 Euro für den Abriss der maroden Ziegelmauer und Neubau eines Zauns. Bürger spendeten 4125 Euro für die Beleuchtung. Der städtische Bauhof übernahm manche Arbeiten in Eigenleistung. Im Juni 2002 wurde der sanierte Park neu eröffnet.

4) Feste Die Einweihung des neu nach alten Plänen gestalteten Parkgeländes fiel 2002 mit dem Deutschen Musikschultag zusammen, den die Musikschule Haan ausrichtete. Insofern gab es keinen Mangel an Musik beim kleinen Festakt. Im Vorfeld hatte es politische Diskussionen gegeben, wie der Park künftig genutzt werden sollte. Eigentlich bestand Einigkeit, das Gelände möglichst nicht zum Schauplatz besucherintensiver Veranstaltungen zu machen. Doch eine erste Ausnahme stellte der „Jazz im Park“ des CDU-Stadtverbandes dar – seither alljährlich in den Sommerferien an einem Samstag Publikumsmagnet. Erstmals 2007 organisierte der damalige Kulturamtsleiter Fritz Köhler einen französischen Markt mit Weinfest. Auch diese Veranstaltung ist inzwischen „Pflicht“ im Haaner Veranstaltungskalender.

5) Kirmes Die Haaner Kirmes lässt sich urkundlich erstmals im Jahre 1486 nachweisen. Zum 625. Jubiläum im Jahr 2011 hatte Kirmesorganisator Rainer Skroblies eine kleine historische Kirmes während der Kirmes rund um den vierten  September-Sonntag vorbereitet. Schausteller bauten im historischen Park Ville d’Eu Fahrgeschäfte aus vergangenen Zeiten auf: Raupenbahn und Kinderkarussell, Autoselbstfahrer und Riesenrad. In historischer Kluft verstärkte das Personal noch den nostalgischen Eindruck auf dem kleinen Jahrmarkt, wo viele tausend Besucher in Erinnerungen schwelgten. Zum 100. Stadtjubiläum hätte es in diesem Jahr wieder eine historische Kirmes geben sollen. Auch sie wird es coronabedingt nicht geben.

6) Video-Überwachung 2007 beschloss der Stadtrat, den Pavillon im Park Ville d’Eu zu überwachen, um Vandalismus zu verhindern. Die Anlage war auch zwei Jahre nach dem Beschluss immer noch nicht in Betrieb. Es gab immer neue technische und rechtliche Hürden zu überwinden. Erst war es die Übertragung der Kamera-Bilder  an die Feuerwache. Per WLAN wurden die Signale ins katholische Pfarrhaus geschickt und später via Internet zur Nordstraße. Hätte dort ein Mitarbeiter in Echtzeit verdächtige Aktionen beobachtet, hätte er die Polizei alarmiert. Das Speichern der Bilder hatte Landrat Thomas Hendele als Chef der Kreispolizei verwehrt. Aber allein das auf den Pavillon gerichtete Kameraauge half schon: Die Sachbeschädigungen durch Graffiti gingen deutlich zurück. Die Kosten hatten sich zwischen Planung und Realisierung von 5000 auf rund 10.000 Euro verdoppelt. Anfang dieses Jahres erfuhr die Haaner Politik, dass die Kamera seit Jahren bereits kaputt war. Jetzt ist sie nach der Sanierung des Parks nicht wieder installiert worden.

7) Boule-Anlage Der Gartenarchitekt Walter Baron von Engelardt hatte schon 1927 Spielflächen an beiden Enden des Parks vorgesehen. Im Bereich Bismarckstraße begannen irgendwann Ende der 1980er Jahre Bürger, die Aschenwege zum Boule-Spielen zu nutzen. 1993 erinnerte Ratsherr Harald Giebels an schon länger gehegte Überlegungen, eine Spielfläche zu errichten. Doch es fehlten die städtischen Mittel. Und so war es - wie so oft in Haan - eine private Initiative, die am Ende das Projekt verwirklichte. Peter Bartz kam mit einem Bagger, sorgte mit seiner Tiefbauerfahrung für den richtigen Untergrund und das Material. und bald war ein Spielfeld  fertig. Boule-Freunde gingen bei Turnieren mit den Stahlkugeln auf „Schweinchen“-Jagd. Die Volkshochschule und auch die Europa-Union kombinierten Wettbewerbe mit Käse- und Weingenuss in französischer Lebensart. Bei der jetzt abgeschlossenen Sanierung sind gleich zwei Spielfelder verwirklicht worden.