Der Haaner Trödel und seine Folgen

Meinung: Der 45. weihnachtliche Trödelmarkt und seine Folgen

Ein Thema wurde in dieser Woche besonders kontrovers diskutiert: Der weihnachtliche Haaner Trödelmarkt. Daran hatten sich am ersten Advent nur rund 40 Hobbyhändler beteiligt.

Im Jahr 1974 war es, da hatte der Künstler Wolfgang Niederhagen die Idee, einen Trödelmarkt zu veranstalten. Die Idee zündete. Und fortan war der weihnachtliche Trödelmarkt nach der Kirmes „die“ Veranstaltung. Viele Jahre standen Interessenten mitten in der Nacht Schlange, um eine Standkarte zu ergattern. Bis zu 500 Teilnehmer bauten in der Nacht zum ersten Advent in der ganzen Innenstadt ihre Stände auf.

Das ist Vergangenheit. Sonntag wurde das in ganz harter Weise deutlich. Auf der oberen Dieker Straße und auf dem ganzen oberen Neuen Markt verteilten sich gerade 40 Stände. Für einen Markt optisch ein Trauerspiel. Sicher war der fiese Regen ein Grund; immerhin hatten sich 60 Teilnehmer mehr angemeldet und ihr 20-Euro-Standgeld bezahlt. Dennoch: Auch 100 Aktive sind nur ein Fünftel früherer Zahlen.

In den sozialen Netzwerken wurde auf die Stadt geschimpft, die keine vernünftige Veranstaltung auf die Reihe bekomme. Der Trödelmarkt war und ist indes eine rein private Veranstaltung. Und es gab Stimmen, die forderten die Kritiker auf, doch selbst aktiv zu werden. Solchem Engagement verdankt die Stadt ihr Aushängeschild, den Haaner Sommer.

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Schwindende Teilnehmerzahlen beim weihnachtlichen Trödelmarkt dürften auch in den ganzjährigen Alternativen begründet liegen. Jeden Samstag gibt es an der Bergischen Straße einen Hallentrödel. Jede Kita veranstaltet Trödel rund um Kind. Ende November gab es im Jugendhaus den Trödel „Weiberkram“. Und im Forum lief zeitgleich zum Trödelmarkt eine Plattenbörse. Nicht zuletzt gab es früher Verkaufsplattformen wie Ebay, Kalaydo oder Nachbarschaftsverkaufsgruppen noch gar nicht – nicht einmal Computer, die ein Privater sich hätte leisten können. Und: Ein Pluspunkt des Trödelmarktes war stets auch die Präsenz örtlicher Vereine. Die backten Waffeln, grillten Würstchen, brauten Glühwein. Mit viel Spaß füllte sich so auch die Vereinskasse. Doch auch Vereine haben zunehmend Probleme, Mitstreiter zu finden – und sich deshalb von Aktionen wie dem Trödelmarkt längst verabschiedet.

Bleibt die Frage: Was wird aus dem Trödelmarkt? Teddy Henschke, Vorsitzender der Närrischen Zelle, Veranstalter des Marktes, überlegt, wenigstens noch den 50. Markt stattfinden zu lassen. Dann müsste es für die nächsten fünf Jahre aber attraktive Zwischenlösungen geben. Wenn der Trödelmarkt im Untertitel „rund um die Pyramide“ heißt, dann könnte er dort auch konzentriert werden. So würde wenigstens ein gutes Bild und mehr Atmosphäre für einen Rest-Trödelmarkt entstehen. Vielleicht sollten alle, die den Verlauf der 45. Trödelmarkt-Auflage kritisierten, bei einem Besuch des ebenfalls bekrittelten Pyramidenmarktes und Weihnachtstreffs im Gespräch mit dem Veranstalter in ein positives Brainstorming gehen.