Der BRW macht in seinen 22 Kläranlagen aus Schmutzbrühe klares Wasser

Was passiert mit dem Abwasser? : Schmutzige Brühe wird zu klarem Wasser

Der Bergisch-Rheinische Wasserverband betreibt 22 Klärwerke in der Region. Der Weg von der Kloschüssel bis zum Fluss ist genau vorgezeichnet.

Die Abkürzung BRW kann einen ganz schön in die Irre führen: Steht sie doch unter anderem für Bodenrichtwert, ein Hilfsmittel zur Wertermittlung von Immobilien: Vom Flughafen Barrow bis zur Beetzsee-Riewendsee-Wasserstraße reichen die Erklärungen hinter der Abkürzung mit den drei Buchstaben.

Was die Menschen im Kreisgebiet mit BRW verbinden, hat allerdings eher mit  „vier Buchstaben“ zu tun. Geht es doch um die Reinigung der Abwässer von der Kloschüssel bis zur Wiedereinleitung in den Fluss. Kurz: Es geht um den Bergisch-Rheinischen Wasserverband. Er gehört zu den zehn großen Wasserverbänden in Nordrhein-Westfalen. In seinem 550 Quadratkilometer großen Verbandsgebiet gibt es mehr als 950 Kilometer Gewässer,  und mit rund 1200 Einwohnern pro Quadratkilometer gehört es mit zu den am dichtesten besiedelten Gebieten in NRW.

Pro Jahr fallen in Nordrhein-Westfalen mehr als 1,3 Milliarden Kubikmeter Schmutzwasser an. Klospülung, Waschmaschine, Geschirrspüler, da kommt einiges zusammen. Ab durch die Spülung heißt es meist für die Verbraucher. Doch damit fängt der Job für die 22 Kläranlagen im Gebiet des BRW erst an. Sie reichen von einer Kleinanlage für 300 Bewohner im Düsseldorfer Stadtteil Hubbelrath bis zu einem Großklärbecken für 130.000 Bewohner in Monheim.

Das Wasser – beispielsweise nach dem Zähneputzen – läuft zunächst durch die hauseigenen Abwasserrohre und gelangt dann die städtische Kanalisation, die es zur Kläranlage transportiert.

„Hier kommen wir ins Spiel“, sagt Hans Bernd Schumacher. Er ist seit  1. Februar 2005  Geschäftsführer des BRW. „In einem Standardklärwerk, wie zum Beispiel Hilden, schöpfen wir die größeren Teile, die sich im Wasser befinden, zunächst mit einer Technik ab, die wie ein Rechen funktioniert“, sagt er. In Runde zwei komme dann der Sandfang zum Einsatz: In den Körnern bleiben kleinere Teilchen hängen, die dann ebenfalls abtransportiert werden.

Stufe drei ist den Bakterien vorbehalten. Hier werden die organischen Inhaltsstoffe (Essensreste, Schmutzstoffe aus der Wäsche, Ausscheidungen aus dem Körper) abgebaut. Die Bakterien ernähren und vermehren sich von den Inhaltsstoffen des Abwassers in der Kläranlage. Damit sie ihre Arbeit tun können, brauchen sie Sauerstoff. „Den führen wir von außen zu“, erklärt Schumacher.

Sind Nitrate und Phosphate verschwunden, kommt in Hilden noch das Nachklärbecken zum Einsatz, in dem die Biomasse (Belebtschlamm etc.) gesammelt wird. Der abgesetzte Schlamm im Nachklärbecken wird bei den meisten Systemen wieder in die Vorklärung der Kläranlage zurück befördert. Das gereinigte Abwasser kann an der Oberfläche abfließen oder es wird abgepumpt. Sauber, wenn auch nicht unbedingt zum Trinken geeignet. Das Abwasser aus Haan landet mangels eigener Kläranlagen übrigens entweder in Gräfrath oder Solingen-Ohligs.

Hans Bernd Schumacher ist seit 1978 beim Bergisch-Rheinischen Wasserverband tätig. Seit 1. Februar 2005  ist der Bauingenieur Geschäftsführer des BRW. Das Foto entstand im Klärwerk Hilden. Foto: Fries, Stefan (frs)
Der mehrstufige Klärprozess geschieht in mehreren Becken. Foto: Rheinische Post/Stephan Meisel (mei)
In einer ersten Stufe holt ein Rechen grobe Stoffe aus dem Abwasser. Foto: Rheinische Post/Stephan Meisel (mei)

Ein faszinierender Kreislauf. „Aber Wasser ist eh faszinierend“, betont BRW-Chef Schumacher: „Schauen Sie sich doch mal die Kinder an. Die sehen Wasser – und rennen sofort darauf zu, egal ob Pfütze oder Teich.“ Wenn das kein Beweis ist …