Credo Haan vollzieht Generationswechsel

Haan : Credo vollzieht Generationswechsel

Gabriele Kracht gibt die Geschäftsführung in der Stahlwarenfirma an ihre Tochter Nadine ab. Damit übernimmt im Familienbetrieb die fünfte Generation das Ruder.

Der lichtdurflutete Eingangsraum hinter der Glastür versprüht Modernität. Von Tradition zeugen wiederum die Porträts an der Wand: Drei Firmenchefs früherer Tage blicken auf den Besucher herab. „Dort werde ich eines Tages auch hängen“, sagt Gabriele Kracht mit einem dezenten Schmunzeln auf den Lippen. Die Ur-Enkelin von Unternehmensgründer Gustav Kracht führt die Stahlwarenfirma Credo in vierter Generation.

„Ich wollte schon immer in den Betrieb“, erzählt die 62-Jährige. Ein Andenken frühkindlicher Begegnung mit dem einstigen Solinger Unternehmen trägt sie noch heute am Finger: Als Dreijährige saß sie auf dem Schoß ihres Großvaters, während der einen Hornhauthobel prüfte – und schnitt sich an einer Klinge. „Da habe ich Blutsbruderschaft mit der Firma geschlossen“, sagt sie mit Blick auf die Narbe. Nach der Schule machte sie die Lehre zum Industriekaufmann – „das hieß damals ja noch so“ – und studierte nach ihrer Fachoberschulreife Wirtschaftswissenschaften mit dem Abschluss Diplom-Ökonomin. Auch danach führte der Weg nicht gleich in den elterlichen Betrieb. „Ich kam als Trainee zu einem Tochter-Unternehmen von Unilever“, berichtet Gabriele Kracht.

Im Oktober 1990 kam schließlich der entscheidende Anruf von ihrem bereits schwerkranken Vater. Ein Jahr später, nach seinem Tod, übernahm sie als ältestes von drei Kindern die Geschäftsführung. „Man wächst da rein“, blickt sie auf das Stahlbad zurück, durch das sie in jenen Tagen musste. Die italienische Lira brach ein, ein schwerer Schlag für den Export. Der Betrieb musste Kurzarbeit anmelden. In den folgenden Jahren baute Kracht ein neues Team bei Credo auf, das Unternehmen erholte sich. In die Anfangszeit ihrer Leitungsfunktion fiel auch die Schwangerschaft mit Tochter Nadine.

Und der heute 27-Jährigen wird sie im Juli den Staffelstab weiterreichen. „Ich werde mich sukzessive zurückziehen“, erklärt Gabriele Kracht, deren Sohn kürzlich seine Meisterprüfung bestand und ebenfalls bei Credo arbeitet. Tochter Nadine absolvierte in Köln ihre Ausbildung zur Groß- und Einzelhandelskauffrau und begann im Jahr 2016 ihre Laufbahn im Vertrieb des Familienbetriebs, der seine Pediküre- und Maniküre-Werkzeuge „made in Solingen“ in über 60 Ländern verkauft – und regelmäßig Neu- oder Weiterentwicklungen herausbringt. Als künftige Geschäftsführerin will sie den Weg der Digitalisierung weiterführen, Papier einsparen und Arbeitsabläufe beschleunigen.

„Nadine war schon im Maxi-Cosi unter dem Schreibtisch hier“, erinnert sich Gabriele Kracht. Einen Automatismus im Hinblick auf die Weitergabe der Geschäftsführung innerhalb der Familie hat es aber offenbar nicht gegeben: „Meine Mutter hat mir nie gesagt, Du musst das machen“, betont Nadine Kracht, „die Entscheidung ist aus freien Stücken gefallen, weil ich daran Freude habe.“

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