Haan: Bergischer Künstler zaubert Geschichten aus altem Holz hervor

Haan: Bergischer Künstler zaubert Geschichten aus altem Holz hervor

Johannes Küßner stellt Skulpturen aus alten Fachwerk-Balken noch bis Sonntag, 4. Februar, in der Pfarrkirche St. Chrysanthus und Daria aus.

Die Haaner Kirche St. Chrysanthus und Daria an der Bahnhofstraße sei wie geschaffen für seine Kunstwerke, sagte der Künstler Johannes Küßner, der seine Holzskulpturen in der Kirche schon aufgebaut hat. Die Kirchenbesucher, die diese besondere Ausstellung noch bis 4. Februar sehen werden, können aber durchaus auch andersherum zu der Überzeugung gelangen, dass die aus jahrhundertealtem Fachwerkholz gefertigten Objekte wie geschaffen sind für die klare Schönheit der Kirche. Eine Symbiose also.

Das achtköpfige Gemeindeteam, das alljährlich zu Beginn des Jahres besondere Kunstausstellungen organisiert, hat tatsächlich mit Joachim Küßner und seiner Kunst einen Glücksgriff getan. Weil das historische Röntgen-Museum mit seinem Fachwerkgebäude in Remscheid-Lennep erweitert werden sollte, wurden Balken aus dem 18. Jahrhundert nicht mehr benötigt und Johannes Küßner erhielt die Möglichkeit, dieses gediegene Eichenholz zu bearbeiten.

Die Balken werden gebürstet, gesäubert, zum Teil mit der Kettensäge bearbeitet, geschnitzt, geschliffen und poliert. Drei bis sieben Tage arbeitet Küßner an einem Objekt. "Ich hole nur raus, was schon drin ist", sagt der Künstler bescheiden. Die Figuren, die er gestaltet, seien für ihn Hausbewohner. "Wir unterhalten uns mit ihnen", fügt er hinzu. Es finde ein "Taufgespräch" statt. Und diese Zwiegespräche führen dazu, dass die Skulpturen dann Namen "Der kleine Alte", "Besuch aus Afrika" oder "Bürger zweier Welten" erhalten. Für den Betrachter sind diese Titel nachvollziehbar. Sie beweisen, dass Johannes Küßner mit seinen Skulpturen lebt. Er ist in der Lage, einen Balken "aus seiner Nützlichkeit zu befreien" und ihm eine neue Geschichte zu geben. Eine alte Geschichte haben die Hölzer ja bereits abgeschlossen.

Ein vielschichtiges Berufsleben hat Johannes Küßner hinter sich. Und alle diese Erfahrungen bringt er jetzt in sein künstlerisches Schaffen hinein. Als gelernter Tischler hat er früh mit Holz gearbeitet. Er hat sozialtherapeutisch gearbeitet, Landwirtschaft, Gärten und Wohnräume gestaltet. Alle diese Tätigkeiten steigerten in ihm die Achtung vor dem Material, das durch den vorherigen Dienst für den Menschen gleichsam Würde erlangt hat.

Und weil der Künstler so viel zu sagen hat, findet am Mittwoch 31. Januar um 19 Uhr ein Künstlergespräch mit Pater Christian Aarts in der Kirche statt. Zur Ausstellungseröffnung gestern Nachmittag sprach Domkapitular Prälat Josef Sauerborn aus Köln. Am heutigen Montag gibt es um 15.30 Uhr eine Führung durch die Ausstellung. Freitag 2. Februar, wird es ab 20 Uhr musikalisch und am Sonntag, 4. Februar, um 15 Uhr zeigen Kindergartenkinder ihre Ergebnisse aus den Workshops zur Ausstellung. Geöffnet ist die Schau täglich von 11 bis 17 Uhr.

(gund)