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Berater warnt: „Jobcenter bürdet Jugendlichen Schulden auf“

Lebenshilfe : „Jobcenter bürdet Jugendlichen Schulden auf“

Caritas-Schuldnerberater Heinrich Beyll übte am Rande seiner Jahresbilanz deutliche Kritik. Junge Leute gerieten durch die derzeitige Gesetzeslage schon minderjährig unverschuldet ins Minus.

Das Beispiel mutet ungewöhnlich an, ist es aber keineswegs: Ein Schuldner seine Frau und seine minderjährige Tochter bezogen im Jahr 2018 „Hartz IV Leistungen“. Der Vater hatte diese Leistungen bei seinem zuständigen Jobcenter beantragt. Im Nachhinein stellte die Behörde fest, sie habe mehrere Monate lang zu viel für die Tochter gezahlt und forderte von der  Minderjährigen 400 Euro. Als das Mädchen 19 wurde, versuchte das Jobcenter gegen es zu vollstrecken.

Kein Einzelfall, sondern leider gängige Praxis in Deutschland, sagt Heinrich Beyll. Der 63-Jährige ist Schuldnerberater bei der Caritas und führte das Beispiel jetzt im Zuge einer bundesweiten Aktionswoche zu diesem Thema an. „Da wird den jungen Leuten etwas aufgebürdet, für das sie selbst überhaupt nichts können“, kritisiert Beyll. Zwar könne man diese Minderjährigen-Haftung bei Eintritt in die Volljährigkeit zwar schriftlich außer Kraft setzen lassen – „doch das muss man erst einmal wissen“. Der Berater fordert daher eine Abkehr von dieser Praxis im Sinne der heranwachsenden.

In Haan legte Beyll jetzt auch seine Jahresbilanz vor. Demnach ist in Haan die Zahl der Schuldnerberatungen von 78 auf 93 angestiegen. Gleichwohl hätten die Hilfesuchenden in aller Regel binnen drei Monaten einen Termin bekommen – kreisweit ein Topwert. Die Klientel setzt sich aus allen Bildungsschichten zusammen. 16 Hilfesuchende hatten Schulden von 50.000 Euro und mehr. 25 Verbraucherinsolvenzverfahren wurden eingeleitet.