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Haan: Ballettlehrerin bringt Haan zum Tanzen

Haan : Ballettlehrerin bringt Haan zum Tanzen

Einen Tag ohne Tanz kann sich Christine Bornträger nicht vorstellen. Seit Jahren begeistert sie viele Schüler.

Ihr Leben folgt einer ganz eigenen Choreographie. Der Traum, Tänzerin zu werden, erfüllte sich zwar nicht, doch Christine Bornträger hat ihr persönliches Stück einfach umgeschrieben und einen anderen Weg gefunden, ihre Leidenschaft zu leben. Sie gibt ihre Faszination für Bewegung weiter. Wenn sie im großen Saal ihrer Ballettschule steht und sich ihre eigene Begeisterung in den Augen der Kinder spiegelt, dann ist sie sicher, ihren Platz auf der Bühne des Lebens gefunden zu haben.

"Es ist ein wunderbares Gefühl, etwas aus ihnen heraus zu locken, das ihnen nicht bewusst war. Denn jeder kann mehr als er denkt", sagt die Tanzpädagogin überzeugt. Bei ihr sind auch Schwächen nicht nur erlaubt, sondern erwünscht. "Meinen Schülern sage ich immer, sie sollen auch Fehler machen, sonst bin ich arbeitslos. Für die meisten ist das eine Überraschung", sagt Christine Bornträger. Sie begleitet viele ihrer Tänzerinnen, bis sie erwachsen sind und verfolgt aufmerksam ihre Entwicklung zu eigenen Persönlichkeiten. "Das ist fast wie eine zweite Familie."

Ihre besondere Methode, Bewegungen in Bildern zu vermitteln und die Kinder zu motivieren, kommt auch bei den Eltern an. "Meine Tochter hat nie die Lust verloren und viel Selbstbewusstsein gewonnen. Bei Christine Bornträger ist spürbar, dass sie zu dem steht, was sie tut", sagt Tina Klaiber. Sie hat inzwischen selbst angefangen zu tanzen und lässt sich gerne mitreißen. "Es ist unglaublich, wie viel Energie sie hat. Gleichzeitig ist sie immer sehr gut organisiert."

Bereits im 21 Jahren hat sich die Haanerin mit ihrer eigenen Ballettschule selbstständig gemacht. Die ersten Unterrichtsstunden gab sie im Wohnzimmer. "Damals haben mich die Eltern oft gefragt, wo denn die Lehrerin sei", erinnert sich Bornträger lächelnd. Unterstützung bekam sie von ihrem Vater. "Der hatte ein Küchenstudio, das leer stand. Dort bin ich dann eingezogen. Die Schule ist dann stetig gewachsen und nebenbei habe ich selbst drei Kinder bekommen."

Ihre Töchter sind im Ballettsaal aufgewachsen. Doch nur eine teilt die Liebe der Mutter zum Ballett. Sie leitet inzwischen mit ihr gemeinsam die Schule an den beiden Standorten Haan und Wuppertal. "Es macht mich stolz zu sehen, wie sie das weiter führt, was ich angefangen habe. Sie bringt viele neue Ideen mit ein und manchmal muss ich auch nachgeben", sagt Christine Bornträger. "Die Zusammenarbeit hat Höhen und Tiefen. Wir sind ehrlich und offen zueinander, doch manchmal prallen unsere Welten auch aufeinander", ergänzt Jessica Bornträger. Die 24-Jährige bewundert ihre Mutter für ihre Art, mit Kindern umzugehen oder eine Choreographie aufzubauen. "Das ist schon anders, als mit einem fremden Chef." Als modernen, spannenden Sport möchte Christine Bornträger Ballett vermitteln. Deshalb wartet sie nicht darauf, dass die Schüler zu ihr kommen, vielmehr geht sie zu ihren Schülern. "Angefangen hat alles mit einer Tanz-AG, doch inzwischen unterstütze ich an verschiedenen Schulen Lehrer, die sich mit Theater beschäftigen oder biete Tanz im Sportunterricht an." Ihr ist es wichtig, dass die Kinder den besonderen Zauber erleben, mit der Sprache ihres Körpers Emotionen auszudrücken. "Es ist eine Fähigkeit, die jeder Mensch mitbringt und die allzu häufig verloren geht."

Die Haanerin möchte auch einen Hauch von der Faszination weiter geben, die sie selbst beseelt, seit sie im Kindergarten ihr erstes Ballettstück gesehen hat. "Heute erinnere ich mich nur noch an Schneeflocken und Wattebäusche und den Wunsch, so etwas auch zu können." Doch erst Jahre später nahm eine Klassenkameradin sie mit zum Ballettunterricht. "Von dem Moment an war ich gefangen. Ich habe eine andere Welt betreten. Die Konzentration auf mich selbst und die Musik haben mich mitgerissen."

Jeder Tag folgt für Christine Bornträger bis heute seiner eigenen Choreographie. Sie tanzt schon morgens in ihren Alltag hinein. "In der Küche kann das schon mal gefährlich werden, wenn ich eine Arabesque mache und gerade jemand zur Tür herein kommt", beschreibt sie. In ihrem Leben ist immer Bewegung. Einen Tag ohne Tanz kann sie sich nicht vorstellen.

(domi)