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Haan: Als erstes fiel das Kirchendach

Haan : Als erstes fiel das Kirchendach

Seit gestern zerlegt ein Bagger "Maria vom Frieden". Dort entstehen eine Kita und Doppelhäuser.

Es poltert, knirscht, splittert und knackt. Gegen Mittag wechselt Bauarbeiter Friedhelm Thiery den Arm seines Spezial-Abriss-Baggers. Die Schaufel kommt weg. Mit der Schere schneidet er ein Stück Beton oberhalb des ehemaligen Kirchenportals aus. "So sehe ich mehr und kann mit dem Bagger besser hineinfahren." Weil auch Bauschutt getrennt werden muss, geht ein Abriss nicht mehr mit der großen, alles zerdeppernden Birne. Baggerfahrer Thiery zupft das Gotteshaus Stück für Stück auseinander, legt die Balken der Deckenkonstruktion auf den Holzstapel, Metallträger auf den Stahlschrott, Steine auf einen dritten Haufen. Pfarrer Reiner Nieswandt betrachtet das mit gemischten Gefühlen. Hier haben Menschen geheiratet, zum ersten Mal die Kommunion empfangen und für Verstorbene gebetet. Nun löst sich die ehemalige Filialkirche "Maria vom Frieden" an der Hochdahler Straße in ihre Bestandteile auf. "Hoffentlich sagt der Fotograf nicht: Lächeln Sie mal fröhlich."

Natürlich fällt "Maria vom Frieden" nicht überraschend. 2005 endete dort der Gottesdienstbetrieb. 2012 ging die Fronleichnamsprozession zu der Kirche in Unter-Haan, mit anschließendem Beisammensein auf dem Gelände. "Das war für mich so etwas wie ein Abschiedsfest", sagt Nieswandt. Die Kirche wurde schon vor Jahren "profaniert", verweltlicht. Abriss und Umgestaltung begleiten Nieswandt, seit er in Haan die Menschen katholischen Glaubens als Seelsorger betreut: seit vier Jahren also. Aber nun ist das Ende sichtbar. Der Bagger greift ins Dach. Glasfenster splittern. Die Tauben aus dem Giebel fliegen irritiert ihre Runden. Noch steht ihre Wand. Aber Ende der Woche soll alles am Boden liegen. Mit wenig Wehmut schauen die meisten Nachbarn auf die Baustelle. Aus ihrer Sicht verschwindet ein Schandfleck. "Zuletzt haben wir ja nur noch das Nötigste hier getan", sagt Nieswandt. Auch geweihter Boden verwildert, wenn sich niemand darum kümmert. Und den 42 Jungen und Mädchen aus dem Kindergarten mussten Leiterin Dorothea Poblocki und die Erzieherinnen auch immer wieder erklären, dass die Kirche nun fällt: "Die Kinder haben immer 'unsere Kirche' dazu gesagt." Im September, als der neue Jahrgang kam, waren sie die letzten, die hier eine Andacht feierten.

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Dabei war es schon ungemütlich: Gestühl, Taufbecken und Altar waren bereits der Gemeinde St. Maximilian-Kolbe im polnischen Bogatynia gespendet. Nun haben Kinder und Betreuerinnen für etwa eine Woche Zuflucht im benachbarten Altenwohnheim gefunden. Danach kehren sie zurück, während nebenan ein neuer, größerer Kindergarten für vier statt bisher zwei Gruppen entsteht. Die Hälfte der Kosten für die Ersteinrichtung und den Betrieb trägt die Stadt Haan. Ende 2015 soll das neue Haus beziehbar sein. Dann wird der alte Kindergarten abgerissen und vier Doppelhaushälften finanzieren das Projekt, das gestern früh begann.

(dne)