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Aktionswoche Falsche Polizisten: Haaner Senioren wissen Bescheid

Haan : Senioren wissen über Trickdiebe Bescheid

Seit Montag läuft eine bislang beispiellose Präventionsaktion der Kreispolizei im gesamten Haaner Stadtgebiet: Acht Beamte suchen die Haushalte auf, in denen Senioren über 70 Jahren gemeldet sind und informieren über den Trickbetrug „falsche Polizisten“ am Telefon. Dabei zeigt sich vor allem eins: die Senioren sind bereits sehr gut informiert.

Der alte Herr schaut erst vorsichtig durch einen kleinen Türschlitz, dann löst er die Türkette und blickt erfreut  seinen Besuch an. „Ich habe schon gelesen, dass Sie vorbeischauen werden“, begrüßt der betagte Mann die beiden Polizeibeamten vor seiner Haustür, „Sie kommen wegen den Telefonbetrügern, richtig?“

Oliver Schult lächelt, nimmt seine Polizeimütze ab, im kleinen Flur der Mietswohnung tickt eine Kuckucksuhr. Bevor der Beamte  etwas sagen kann, winkt der 82-Jährige schon augenzwinkernd ab. „Ich weiß doch schon alles, hören Sie mal. Meine Schwägerin hat solche Anrufe schon mehrfach erlebt und eine Nachbarin die ist da auch schon einmal drauf reingefallen, wissen Sie, ich nehme eh den Hörer nicht ab, wenn ich die Nummer nicht kenne, mir passiert sowas nicht.“ Seit Montag suchen acht Beamte des Bezirksdienstes alle Privathaushalte in Haan auf, in denen ein oder mehrere Personen ab 70 Jahren (insgesamt 5937 Bürger) leben, um sie in persönlichen Gesprächen über die Gefahren des Telefontrickbetruges „falsche Polizisten“ zu informieren, ihnen Infomaterial an die Hand zu geben. Alleine am ersten Tag wurden so bereits 500 Haushalte erreicht.

„Der überwiegende Teil der Menschen kennt sich bereits hervorragend aus mit dieser Masche, Sie haben davon bereits in den Medien gehört oder an einem unserer Infostände davon erfahren“, resümiert Oliver Schult seine bislang gesammelten Erfahrungen, „allerdings wurden wir trotzdem von den Allermeisten sehr freundlich empfangen.“

Der 50jährige Polizist schaut auf eine Namensliste, die genau angibt, welche Haushalte in welchem Haus besucht werden sollen. Dahinter können die Beamten vermerken, ob sie jemanden angetroffen oder, falls nicht,  sie nur Infomaterial im Briefkasten hinterlassen haben und vor allem: ob die Person tatsächlich Informationsbedarf hatte.

„Diese Maßnahme soll kreisweit durchgeführt werden“, erklärt Pressesprecher Ulrich Löhe, „in Haan fangen wir an und werden dann die Ergebnisse von dort zusammentragen und auswerten, damit wir wissen, ob es Änderungs- oder auch Verbesserungsbedarf im Hinblick auf die anderen Städte im Kreis gibt.“

Einige Häuser weiter, Hausnummer 98, stehen zwei Namen auf Schults Liste. Sein Kollege Michael Lindt drückt die entsprechenden Klingeln, es dauert einen Moment, dann summt der Türdrücker. „Bloß keine Angst“, ruft Oliver Schult der älteren Dame entgegen, die im Treppenhaus im Obergeschoss neugierig nach unten späht, „ es ist nichts Schlimmes passiert, wir wollen Sie nur informieren.“

Aber auch diese Bewohnerin kennt sich bereits bestens aus, am Samstag hatte sie sich ausführlich am Infostand der Polizei vor der Marktpassage über das Vorgehen der Betrüger aufklären lassen. „Mein Mann und ich haben da ja auch ihre Checkliste bekommen, die liegt jetzt direkt neben unserem Telefon.“. Die beiden Polizisten sind zufrieden, verabschieden sich.

„Das ging ja flott“, sagt Oliver Schult und grinst, „ wir haben manchmal natürlich auch Leute, die wollen mit uns Kaffee trinken, ein wenig plaudern, aber so gerne wir das täten, die Zeit dazu haben wir natürlich nicht.“