Haan: 17 Jahre, hochpolitisch

Haan: 17 Jahre, hochpolitisch

Seit Anfang Februar ist Alexander Kraft Vorsitzender des neu gewählten Jugendparlaments. Der Gymnasiast freut sich sehr auf die Herausforderung und hat enorme Ziele.

Auf den ersten Blick wirkt Alexander Kraft ein wenig steif, wie er da so sitzt an dem kleinen Tisch im Jugendcafé, der Rücken gerade durchgedrückt, die Beine übereinandergeschlagen, der Gesichtsausruck ein wenig ernst. Seine Wortwahl ist präzise. "Meine Leistungskurse sind Sozialwissenschaften und Deutsch, beides Fächer, für die ich nicht so viel lernen muss. Für Mathematik sind aber noch einige Vorbereitungen nötig. Aber das werde ich schaffen", antwortet der junge Haaner auf die Frage, ob er - so kurz vor den Abiturprüfungen - überhaupt Zeit für die Jugendparlamentsarbeit findet.

"Ich freue mich so sehr auf die neue Herausforderung", platzt es dann aus ihm heraus, seine Augen leuchten, er strahlt, das Eis ist gebrochen: Hinter der verhaltenen Fassade brennt ein junger, leidenschaftlicher Mensch mit wachem Geist, mit lebendigen Visionen, die das Leben aller zum Guten verändern sollen. Daniel Oelbracht. Koordinator des Jugendparlaments in Haan, schätzt die Intensität, mit der der Jugendliche seine Themen verfolgt: "Er kann dann tatsächlich forsch in der Wortwahl werden, das glaubt man erst einmal gar nicht."

Was sind das für Themen, für die der Schüler brennt? "Für mich steht an allererster Stelle das Verbot von Zirkussen mit Tieren in unserer Stadt", sagt Alexander "und ich werde auch nicht müde dafür zu kämpfen, aufmerksam auf die Tierqualen zu machen, bis sich etwas tut." Zur forschen Wortwahl sagt er: "Ich weiß, dass das manchmal nicht gut ankommt, wenn ich ehrlich und gerade heraus bin. Und ich weiß auch, dass die Wahrheit für viele unbequem ist und manch einer lieber die Augen davor verschließt, zum Beispiel vor den Missständen in der Massentierhaltung", erklärt der überzeugte Veganer, "ich gehe vielen damit auf die Nerven, aber ich habe da einen inneren Antrieb, Visionen die ich verfolge und da bedarf es schlicht der Aufklärung."

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Auch Roxy Zambon, seine Stellvertreterin im Jugendparlament, ist fasziniert: "Es ist schon Wahnsinn, was er alles weiß und das mit gerade mal 17", sagt die Neuntklässlerin. Aber kann denn ein solch "mentaler Nerd" auch mal "Fünfe gerade sein lassen?" Alexander lacht. "Klar, manchmal gehe ich auch einfach nur ins Fitness- Studio." Er beeindruckt seine Umgebung mit Tiefgang, hört zu, verschlingt die Worte seines Gegenüber, als wolle er damit seinen Hunger nach noch mehr Input, noch mehr Wissen stillen, vielleicht versucht er auch nur, den anderen zu begreifen.

"Ich habe unlängst mit einem CDU-Politiker über die homosexuelle Ehe diskutiert, das war sehr spannend, wir haben uns gegenseitig zu Wort kommen lassen und ich hatte tatsächlich das Gefühl, dass er nach dem Gespräch seine eigene Haltung ein Stück weit aufgelöst und reflektiert hat", freut sich der Oberstufenschüler und spricht damit auch direkt eins seiner seiner weiteren Hauptanliegen an. "Es darf nicht sein, dass Homosexualität trotz vieler Fortschritte noch immer nicht die absolute Normalität abbildet. Mein Ziel ist es, in den kommenden zwei Jahren meiner Amtszeit eine Gruppe zur Interessensvertretung in Haan zu gründen."

Philosophie, Spiritualität, Naturheilkunde, Ernährungswissenschaften - allesamt Bereiche, die den jungen Haaner Gymnasiasten faszinieren.

(dani)