Grevenbroich: Zwei Dorfpläne für den Süden der Stadt

Grevenbroich : Zwei Dorfpläne für den Süden der Stadt

Für Frimmersdorf und Neurath sollen in den nächsten beiden Jahren Dorfentwicklungspläne erstellt werden. An der Zukunftsperspektive können die Bewohner intensiv mitarbeiten. RWE Power hat finanzielle Unterstützung zugesagt.

Die Erfthalle wird abgerissen, das Wellenfreibad ist seit Jahren geschlossen — viele Frimmersdorfer und Neurather sehen ihre Stadtteile im Süden benachteiligt. "Die Lebensqualität hier sinkt von Jahr zu Jahr", sagt Hans Brüggen von der Initiative zur Rettung der Erfthalle.

Nun sollen die Dörfer eine Perspektive für die Zukunft bekommen: Für beide Orte sind Dorfentwicklungspläne geplant. "Die von den Kraftwerken geprägten Stadtteile brauchen eine Zielsetzung, wie sie sich entwickeln sollen", sagt Technischer Beigeordneter Werner Hoffmann. Im März hatte der Rat neben dem Erfthallen-Abriss auch beschlossen, solche Konzepte auf den Weg zu bringen.

Die Stadt will dafür in Stufen vorgehen. Zunächst wird 2013 der Plan für Frimmersdorf angepackt, 2014 dann der für Neurath. "Beide zusammen schaffen wir weder personell noch finanziell", so Hoffmann. Voraussetzung ist, dass der Stadtrat die jeweils eingeplanten 40 000 Euro im Etat bewilligt. Gibt der grünes Licht, kann die Arbeit für Frimmersdorf Mitte 2013 starten.

"Zunächst wird der heutige Zustand analysiert — das reicht von der sozialen Struktur über die Verkehrsanbindung und Versorgung mit Geschäften bis zur Ökologie", erläutert Fachbereichsleiterin Dorothea Rendel. "Auf dieser Grundlage werden Handlungsempfehlungen erarbeitet." Konkrete Themen gibt die Stadt bewusst nicht vor. "Wichtig ist, dass die Bewohner aktiv an der Planung mitarbeiten und ihre Ideen einbringen — etwa in einer Zukunftswerkstatt", sagt der Technischer Beigeordnete.

Die Moderation des etwa ein Jahr dauernden Prozesses soll nicht die Stadt, sondern ein Fachbüro übernehmen. "Ein solches Büro kann eher als Anwalt der Bürger auftreten, so dass die Bewohner sagen: ,Das ist unser Plan'", sagt Rendel.

Gute Erfahrungen hat die Stadt bereits mit Plänen für Hemmerden, Gindorf, Neuenhausen, und Neukirchen gemacht. In Hemmerden wurde auf Basis des Konzepts etwa die Landstraße neu gestaltet. Hoffmann hebt auch ein anderes Ergebnis hervor: "In drei Dörfern sind aus der Arbeit an den Plänen heraus Dorfvereine entstanden, die sich intensiv für ihre Orte einsetzen. Bei den Plänen geht es auch darum, die Identifikation der Menschen mit ihrem Ort und den Zusammenhalt zu stärken sowie Eigeninitiative zu fördern." So hat der Verein "Neuenhausen heute und morgen" mit großem Engagement den Platz am Denkmal gestaltet, einen schönen Treffpunkt geschaffen.

Schließlich ist mit den Dorfentwicklungsplänen nicht zwingend ein Geldsegen verbunden: Zuschüsse des Landes sind unsicher. Grevenbroich zählt nicht mehr zum förderungsfähigen ländlichen Raum. Die Stadt bemüht sich aber, dass sie dennoch Fördermittel erhält. Allein zahlen muss die Stadt die Pläne aber nicht: "RWE Power hat sich bereit erklärt, die Hälfte der Kosten zu tragen", so Hoffmann.

Hans Brüggen aus Frimmersdorf hat eine klare Erwartung: "Bei uns muss etwas passieren, es darf nicht bei Versprechungen bleiben."

(NGZ/rl)
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