Grevenbroich: Zu wenig Personal in Kitas

Grevenbroich: Zu wenig Personal in Kitas

Nach dem neuen Kinderbildungsgesetz ist der Markt für qualifizierte Erzieherinnen leer. In den Grevenbroicher Kindergärten und Familienzentren wird dringend Personal gesucht – vor dem Rechtsanspruch auf U3-Betreuung.

Nach dem neuen Kinderbildungsgesetz ist der Markt für qualifizierte Erzieherinnen leer. In den Grevenbroicher Kindergärten und Familienzentren wird dringend Personal gesucht — vor dem Rechtsanspruch auf U3-Betreuung.

Wer als Kindergartenleiterin Personal sucht, braucht zurzeit nicht viel Platz auf dem Schreibtisch, sondern viel Geduld. "Der Markt ist leer", sagt Angelika Scherrer, Leiterin des Familienzentrums "Zaubermühle" aus Gindorf. Bewarben sich früher 40 Frauen auf eine Stelle, sind es heute wie in Gindorf "gerade mal vier".

Die Gründe für den Mangel sind vielfältig: Längere Ausfälle durch Krankheiten oder Mutterschutz und Elternzeit können in einer einzelnen Einrichtung zum Problem werden. Doch die Krise liegt auch im System, ist Margarete Wingens, stellvertretende Leiterin im Katholischen Kindergarten Allrath, überzeugt: "Vor zwei bis drei Jahren wurde bei der Berufswahl von Erzieherinnen-Beruf abgeraten, immer weniger Frauen entschlossen sich zu dieser Ausbildung. Jetzt kommt der Mangel bei uns in den Kindergärten an."

Die neue gesetzliche Grundlage für die Kinderbetreuung (KiBiz) ist ein weiterer Grund für den Mangel, sind sich die Kindergartenchefinnen Scherrer und Wingens einig: "Wenn eine Einrichtung lange Betreuungszeiten anbietet, braucht sie entsprechend viel Fachkraftstunden. Außerdem musste bereits viel Personal für die U3-Betreuung eingestellt werden." — Im Allrather St. Mätthaus-Haus kommt noch ein Faktor hinzu: "Unsere Einrichtung will als Katholisches Familienzentrum zertifiziert werden. Unsere Leiterin ist dafür in der Betreuung freigestellt. Jetzt suchen wir Vertretung", sagt Margarete Wingens.

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Weiter suchen wird auch Angelika Scherrer für die Maulwürfe, Wichtel und Gespenster in ihrer Einrichtung. "Bis 1. April werde ich wohl niemanden finden", sagt die Leiterin. Was das für den Alltag bedeutet: Mehr Vertretungen in den Gruppen, mehr gemeinsame Aktivitäten, mehr Belastungen für die Mitabeiterinnen. Vier Bewerbungsmappen hat Scherrer noch in ihrem Büro liegen. Bei der Auswahl setzt sie jetzt auf eine langfristige Lösung, auch im Sinne der Kinder: "Neben der Qualifikation ist die Entfernung zum Arbeitsplatz ein wichtiges Kriterium. Ist sie zu groß, muss ich damit rechnen, dass diese Mitarbeiterin sich bald nach einer neuen, näheren Stelle umsieht."

Die Schwierigkeiten bei der Personalsuche kennt auch Klaus Oellers, Leiter der integrativen Kindertagesstätte "Blumenwiese": "Heute ist man froh, wenn man zwei Bewerbungen erhält — zumal in unserer Einrichtung, in der behinderte und nichtbehinderte Kinder betreut werden und in der besondere Anforderungen an die Qualifikation gestellt werden."

Beigeordneter Michael Heesch gibt sich mit Blick auf die städtischen Einrichtungen gelassen. "Wir haben noch immer jemanden gefunden." Knapp könne das Personal werden, wenn der Rechtsanspruch auf U3-Betreuung besteht.

(NGZ)