1. NRW
  2. Städte
  3. Grevenbroich

Grevenbroich: Zu viele Pflegeplätze?

Grevenbroich : Zu viele Pflegeplätze?

Im gesamten Rhein-Kreis Neuss ist das Angebot an Pflegeplätzen ausgewogen – Grevenbroich ist eine Ausnahme: Hier sind zwei Objekte im Zentrum geplant. "Ein Überschuss droht", fürchtet Landrat-Vertreter Jürgen Steinmetz.

In Grevenbroich plant der Träger Kusana an der Lindenstraße 80 Plätze für vollstationäre Pflege und 20 Plätze für Demenzkranke. Außerdem will das Alloheim im Grönlandgelände 80 Plätze für beide Bereiche anbieten – insgesamt sollen dort 180 Menschen bis 2012 untergebracht werden. "Zuviel", meint Jürgen Steinmetz, allgemeiner Vertreter des Landrats, gestern bei einer Pressekonferenz in Grevenbroich.

Immer mehr Menschen werden immer älter: Eine Reaktion auf den demografischen Wandel ist der Ausbau von Pflegeplätzen. Waren 2010 noch 20,8 Prozent der Menschen im Rhein-Kreis Neuss älter als 65 Jahre, werden es – so die Prognose der Dortmunder Forschungsgesellschaft für Gerontologie – 2025 bereits 24,8 Prozent sein. "Zurzeit ist das Angebot im Rhein-Kreis Neuss ausgewogen: In 35 Einrichtungen stehen 3178 Plätze zur Verfügung", führt Steinmetz aus.

So lange wie möglich zu Hause

"Wartelisten gibt es zurzeit nicht. Das war vor 16 Jahren noch deutlich anders", sagt Barbara Kremers-Gerads, Leiterin im Grevenbroicher Seniorenzentrum "Lindenhof". Heute würden Ältere deutlich später einen Platz im Seniorenheim in Anspruch nehmen. Als einen Grund nennt Kremers-Gerads die Kosten: "Viele Menschen können sich das nicht mehr leisten und pflegen ihre Angehörigen selbst – so lange es irgendwie geht." Dabei würden sich viele Angehörige aber auch überfordern.

Was ein Platz in einem Heim für die Pflegestufe I (geringer Bedarf) kostet, zeigt Siegfried Henkel, Leiter des Kreissozialamtes, an einem Beispiel auf: "Die pflegerische Leistung kostet im Monat 1380 Euro, der Zuschuss aus der Pflegeversicherung liegt aber nur bei 1023 Euro." Dazu kämen noch Ausgaben für Unterbringung und Verpflegung – insgesamt pro Monat 2280 Euro. Die Folge: Immer mehr Senioren erhalten Sozialleistungen. "2010 hat der Rhein-Kreis Neuss 19,6 Millionen Euro ausgegeben, im Etat 2011 sind 21 Millionen Euro eingestellt", so Jürgen Steinmetz.

"Damit Altenpflegeheime wirtschaftlich arbeiten können, ist eine Auslastung von 98 Prozent notwendig", erläutert Marcus Mertens (Heimaufsicht). Bei freien Kapazitäten müsse der Träger sparen – zuerst beim Personal: "Dann droht ein Qualitätsverlust." Deshalb achte der Rhein-Kreis auf eine ausgewogene Verteilung der Einrichtungen und berate – auch wenn das baurechtliche Votum bei den Kommunen liege. "In Dormagen sehen wir kaum Ausbaubedarf – anders als in Neuss", sagt Steinmetz. "In Grevenbroich droht sogar ein Überangebot im Zentrum. Wir haben die Träger auf das Risiko hingewiesen."

(NGZ)