Grevenbroich: Zu viele Behindertenparkplätze?

Grevenbroich: Zu viele Behindertenparkplätze?

Gibt es zu viele Parkplätze für Behinderte in der Innenstadt? Und werden die überhaupt genutzt? Diese Fragen wollen die Grevenbroicher Politiker untersuchen. Behindertenbeauftragte Charlotte Häke protestiert.

Werden die Parkplätze für Behinderte in der Innenstadt überhaupt genutzt? Diese Frage stellen sich die Grevenbroicher Baupolitiker. Sie wollen ihr auf den Grund gehen. "Nach Meinung vieler Bürger ist die Zahl dieser Parkplätze zu hoch, zudem würden sie meist leer stehen", erklärt der Ausschussvorsitzende Wolfgang Latzel (CDU).

Das ärgere Autofahrer auf der Suche nach einem freien Stellplatz — vor allem am Bahnhof sowie zwischen Schloss und Stadion. Diese Bereiche werden nach der Sommerpause untersucht. "Für den 27. September haben wir einen Ortsterein vereinbart", so Latzel.

Wer einen Sonderausweis mit dem Merkzeichen "aG" (außergewöhnlich Gehbehindert) besitzt, darf sein Auto auf einem Behindertenparkplatz abstellen. In Grevenbroich haben etwa 350 Menschen diesen Ausweis, im Rhein-Kreis sind es rund 3280. Wer die Stellflächen ohne Berechtigung nutzt, muss mit einer Geldbuße rechnen: mindestens 35 Euro.

Am Grevenbroicher Bahnhof hat das in jüngster Zeit zu Beschwerden geführt. Dort wurden häufig "Knöllchen" verteilt, nachdem Kunden die freien Behindertenparkplätze nutzten, um rasch einen Copyshop zu besuchen. Die Konsequenz: Der Bauausschuss hob einen der Stellplätze für Behinderte am Bahnhofsvorplatz auf. Laut Stadtsprecher Andreas Sterken gibt es im Stadtzentrum aber immer noch 40 Stellflächen dieser Art.

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"Viel zu wenig", sagt Charlotte Häke, die ehrenamtliche Behindertenbeauftragte der Stadt: "Drei Prozent des gesamten Parkplatzvolumens sollte Behinderten zur Verfügung stehen. Ich habe den Eindruck, dass wir in Grevenbroich nicht einmal drei Promille haben — und das macht mich traurig." Häke wird am 27. September beim Ortstermin dabei sein und ihre Position vertreten: "Wir brauchen mehr von diesen Stellflächen in der City, damit behinderte Menschen am Geschehen in dieser Stadt teilnehmen können."

Den Eindruck, dass die Sonder-Parkplätze meist leer stünden, kann Charlotte Häke, die selbst gehbehindert ist, nicht teilen: "Wenn wir ankommen, sind die Plätze meist von Autofahrern belegt, die sie nicht nutzen dürfen", dreht die Ehrenamtlerin den Spieß um.

Wie die Kommunalpolitiker das Thema angehen, bleibt abzuwarten. "Ich denke, dass die Aufteilung der Behindertenparkplätze überarbeitet werden müsste. Am Schloss beispielsweise gibt es einen ganzen Parkstreifen, der ständig leer steht, während die übrigen Stellflächen belegt sind", sagt CDU-Chef Norbert Gand. Parkplätze für Behinderte seien notwendig, andererseits müsse aber auch die Verhältnismäßigkeit stimmen.

(NGZ/jco/ac)
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