Grevenbroich: Zivis sind kaum zu ersetzen

Grevenbroich : Zivis sind kaum zu ersetzen

Die Wehrpflicht ist abgeschafft, Zivi-Stellen damit auch. Das ist ein Riesen-Problem für Krankenhäuser, Altenheime, die Stadtverwaltung. Die wegfallende Unterstützung kann meist nur durch Mehrausgaben kompensiert werden.

Die Zivis sind eine "aussterbende Rasse" – so bringt es Heinz-Hubert Winkels auf den Punkt. Der Personalleiter des St.-Elisabeth-Krankenhauses muss sich schon jetzt mit der Situation auseinandersetzen, die spätestens Anfang kommenden Jahres eintreten wird. Das Problem: Die Wehrpflicht wurde abgeschafft. Und deshalb gibt es auch keine Zivildienststellen mehr. Im Sommer dieses Jahres werden die letzten Wehrdienstleistenden und Zivis ihren Dienst antreten. Damit ist die Riesenlücke Anfang 2012 Faktum.

Im Elisabeth-Krankenhaus sind acht Zivildienstleistende beschäftigt. Sie bringen Mineralwasserkästen in den Vorratsraum, rollen die Essenscontainer zu den Patienten, sorgen dafür, dass die Betten regelmäßig gewartet werden. "Wir werden straffer organisieren müssen", kündigt Winkels an. Das bedeutet, dass vorhandene Arbeit der Zivis auf das bestehende Personal verteilt wird, soweit sich das realisieren lässt. "Wo nötig, werden wir die wegfallenden Ziviposten durch Teilzeitkräfte ersetzen. Und eventuell werden wir schon bestehende Teilzeitposten aufstocken", beschreibt Winkels die Strategie.

In den Werkstätten für Behinderte in Hemmerden (WFB) weiß deren Geschäftsführer Wilfried Moll auch noch nicht genau, wie er das Vakuum kompensieren soll: "Das ist ein Problem. Wir brauchen die Zivis." Er denkt daran, die sieben Stellen durch Bewerber für das Bundesfreiwilligenjahr zu besetzen. Einen Aspiranten hat er schon.

Auch in der Stadtverwaltung droht der Zivi-Engpass. Das macht Dezernent Claus Ropertz deutlich. Die Stadt hat aktuell zehn Zivildienstleistende. "Der Schwerpunkt liegt im Bereich Grün", so Ropertz. Zwei Zivis sind im Schneckenhaus beschäftigt. "Andere sind zum Beispiel dafür eingeteilt, die Kadaver überfahrener Tiere von den Straßen zu entfernen", sagt der Dezernent. Dass diese Tätigkeiten auf das Rathauspersonal übertragen werden können, sieht er mit einer gewissen Skepsis: ",Das schaffen wir nicht auch noch', dürfte dann von den Mitarbeitern zu hören sein."

Doch wie will Ropertz das Zivi-Dilemma lösen? Er hat einige Vorschläge, die theoretisch möglich wären. Beispiel Schneckenhaus: Es könnte Personal mit befristeten Arbeitsverträgen eingestellt werden. Oder die Arbeitszeit der Angestellten könnte erhöht werden. "Es ist auch denkbar, dass wir von der Arge schwer vermittelbare Jugendliche als Praktikanten engagieren. Die bekämen dann für ihr Praktikum auch eine Bezahlung", schlägt Claus Ropertz vor.

Dass das Schneckenhaus wegen der Zivi-Problematik aus finanziellen Gründen geschlossen werden müsste, ist für Ropertz nicht gut vorstellbar: "Ich wäre sehr traurig, wenn das daran scheitern würde."

(NGZ)