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Grevenbroich: Zitterpartie um Lena am Beach

Grevenbroich : Zitterpartie um Lena am Beach

Mehr als tausend Besucher lockte die Übertragung des Eurovision Songcontest (ESC) an den Evita Beach. Gezittert wurde dort wegen der Platzierung von Lena, sondern auch wegen des trockenen, aber kühlen Wetters.

13,8 Millionen Menschen verfolgten den Eurovision Songcontest an den Bildschirmen. Liegestuhl statt Sofa: Mehr als tausend Besucher ließen sich vom ESC zum Evita Beach locken. Veranstalter Norbert Lupp ist "sehr zufrieden". Nur zwei Dinge fehlten: Wärme und ein besserer Platz für Lena. Dann hätte die Strandparty wohl länger als bis zum überraschenden Liebeslied-Sieg von Nikki und Ell mit "Running Scared" gedauert.

Bermudas und Bikini konnten die Grevenbroicher im Schrank lassen. Sweatshirts, Jacken und wärmende Wolldecken waren die "Must haves" beim Public Viewing. "Sonne wäre schon besser gewesen", meinen etwa Simon Kauertz und seine 14 Freunde. Die 15- bis 18-Jährigen aus Neuenhausen und Gustorf haben die Liegestühle vor dem Bildschirm mit beeindruckender 3,66 Meter Diagonale positioniert und verfolgen das irische Zwillingsduo Jedward, lauschen der dauergewellten Kati Wolf ("What about my dreams"). Tipps haben sie viele:. "Irland ist der größte Konkurrent", so Mike Berghoff. Patrick Nowack setzt auf Ungarn oder Spanien: "Die werden gefährlich." Simon Kauertz würde ein zweiter Sieg von Lena freuen: "Mein Geheimtipp. Keiner würde erwarten, dass sie es erneut schafft."

Deutschland-Fähnchen sucht man vergeblich. Die meist jugendlichen Cliquen in Strandkörben, Liegestühlen und an Bierzelt-Garnituren verfolgen die Schlagerparty interessiert, aber nicht euphorisch. Aus einem anderen Grund als Lena, dem estländischen Popbonbon Getter oder Österreichs moderner Antwort auf Mireille Mathieu ist Holger Landwehrs hier, in Rattansesseln werden die Weichen für das Schützenfest in Noithausen gestellt: "Wir machen unsere letzte Versammlung, ausnahmsweise am Evita Beach." Schlagerpatrioten sind die Hubertusschützen alle: "Wir sind Lena" ist ihre Antwort auf den Wunschsieger.

Zaghafter Jubel brandet um 22.16 Uhr am Stadtstrand auf, nachdem Lena mit einer beeindruckenden Bühnenschau "Taken by a stranger" gehaucht hat: Laut wird es bei fallender Temperatur erst wieder, als die Punkte vergaben werden: Zehn Punkte aus Österreich lassen auch Grevenbroich um 23.45 Uhr jubeln, obwohl ein zweiter Lena-Sieg immer unwahrscheinlicher wird. Zehn Minuten später geht das aserbaidschanische Duo in Führung — die Überraschung des Abends. Um 18 Minuten nach Mitternacht steht fest: Nikki und Ell brauchen nicht mehr um den Sieg zu fürchten — sie führen uneinholbar.

Als sie um 0.26 Uhr erneut "Running Scared" singen, fehlt frenetischer Jubel mangels Masse, viele Liegestühle sind bereits verlassen. Ein Tribut an die Kälte — vielleicht hätten zehn Grad mehr und ein erster Platz für Lena geholfen. Nächste Chance für eine heißere Party: die Frauenfußball-WM ab 26. Juni.

(NGZ)