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Grevenbroich: Zirkus-Chef fühlt sich betrogen

Grevenbroich : Zirkus-Chef fühlt sich betrogen

Das jäh abgebrochene Grevenbroicher Winter-Varieté wird zum Fall für die Justiz. Nicht nur Geschäftsleute, sondern auch viele Grevenbroicher fühlen sich geprellt. Sie wollen ihr Geld zurück.

Noch immer lächelt TV-Moderatorin Marijke Amado auf der Internetseite des Grevenbroicher Winter-Varietés. Noch immer ist dort die Rede von Artisten, die die Zuschauer verzaubern sollen. Doch der Zauber ist längst verflogen: Die Künstler haben Hals über Kopf die Stadt verlassen, der Organisator — die Mülheimer Firma APT — scheint untergetaucht, zurück bleibt ein Schaden von offenbar mehr als 100 000 Euro. Der Zirkus ist ein Fall für die Justiz.

"Alles hat damit angefangen, dass wir vom Organisator in Belgien angesprochen wurden", erinnert sich Zirkusbesitzer Fredi Burghardt (40). Er sollte die "Logistik" für das Varieté stellen und sein Zelt nach Düsseldorf bringen. Kurz vor der Ankunft am Rhein hätte man ihn aber nach Grevenbroich umgeleitet. "Hier sollten wir direkt 8000 Euro Reisekosten erhalten, die wir aber nicht bekommen haben", so Burghardt. Statt den Rückweg anzutreten, habe er sich überreden lassen und das Zelt aufgebaut. "Wir haben uns natürlich darüber gewundert, dass für das Varieté keine Reklame gemacht wurde", erklärt der Zirkuschef. Die Folgen bekam er bald darauf zu spüren: Die Zuschauer blieben weg, nach wenigen Tagen kam das "Aus" für das Winter-Varieté. "Mit dem Organisator ausgemacht waren 50.000 Euro Miete für die gesamte Logistik. Insgesamt fehlen uns nun gut 60.000 Euro", so der 40-Jährige. Er hat einen Anwalt eingeschaltet, der das Geld eintreiben soll.

Der Österreicher ist nur einer der Geprellten. Zu ihnen gehört auch Gastronom Vlatko Mundar. Bei dem Wevelinghovener Hotelbesitzer hatte der Organisator alle verfügbaren Zimmer für die verpflichteten Artisten gebucht. "Dafür sollte ich 15 000 Euro erhalten", so Mundar: "Geflossen ist jedoch nur ein Bruchteil." Die Künstler hätten sich teilweise zu viert in den Zimmern drängeln müssen: "Und weil sie ihre Gage nicht bekommen haben, konnten sie sich teilweise nichts zu essen kaufen", berichtet Mundar: "Es war eine Katastrophe." Auf sein Geld wartet auch Zeltverleiher Hans-Georg Späth aus Noithausen. Bei ihm wurden die Heizungen fürs Varieté geordert, bezahlt worden sei jedoch nicht: "Mir ist ein Schaden von 2500 Euro entstanden", klagt er. Aber nicht nur Geschäftsleute, sondern auch Dutzende Grevenbroicher fühlen sich geprellt. So auch der Noithausener Lothar Zinken, der Karten zum Preis von 78 Euro gekauft hatte. Schon mehrfach hat er versucht, sein Geld zurück zu bekommen. "Wir fühlen uns getäuscht und betrogen", sagt Zinken.

Von Seiten der Veranstalter gab es gestern zu den massiven Vorwürfen keine Stellungnahme. Weder per Handy noch unter der Firmennummer waren die Organisatoren zu erreichen. Zirkuschef Fredi Burghardt ist derweil restlos bedient: "Glauben Sie mir", sagt er traurig in seinem Wohnwagen: "So etwas habe ich noch nie erlebt. Wir sind richtig reingelegt worden."

(NGZ)