Grevenbroich: "Zeitreisende" erklären alten Straßenbau

Grevenbroich: "Zeitreisende" erklären alten Straßenbau

Martin Klöffler und Frank Moser entführen ihre Zuhörer in die linksrheinischen Gebiete des frühen 19. Jahrhunderts.

Außergewöhnlicher Vortrag in der Villa Erckens: Der Düsseldorfer Naturwissenschaftler Martin Klöffler machte dort jetzt gemeinsam mit seinem "Gehilfen" Frank Moser Station - und entführte die Besucher auf eine Zeitreise ins frühe 19. Jahrhundert, als im Auftrag des preußischen Staates neue Poststraßen in den linksrheinischen Gebieten gebaut wurden. Der Vortrag passte perfekt in die aktuelle Ausstellung, die unter dem Titel "Unterwegs - Stadt und Straße" steht. Wohlgemerkt: Klöffler und Moser traten dort auch zeitgenössisch gekleidet auf. Sie erweckten optisch den Eindruck, als hätten sie gerade 200 Jahre übersprungen.

"Geprägt" von der französischen Besatzungszeit nach der Revolution und der Gründung des Deutschen Bundes 1815 schlüpfte der promovierte Naturwissenschaftler Martin Klöffler, der sich sehr für die lebendige Neuinszenierung von Geschichte interessiert, in die Rolle eines Straßenbauinspektors und erzählte, wie es so ist, für den Staat Preußen zu arbeiten. "Ich bin für die Chausseen auf der linken Rheinseite zuständig. Wobei das Wort Chaussee ein französisches ist. Wir pflegen es, Kunststraßen zu sagen", stellte er gleich zu Beginn seines Vortrages fest und spielte damit auf das doch eher durch Abneigung geprägte Verhältnis zwischen Deutschen und Franzosen zur damaligen Zeit an.

Die Kunststraßen also, auf denen vor rund 200 Jahren Postkutschen unterwegs waren und unter anderem von Düsseldorf nach Aachen fuhren, mussten erst einmal aufwendig gebaut werden. Und das mit den Instrumenten, die den Bauinspektoren und Arbeitern damals zur Verfügung standen. "Wir vermessen Straßen etwa mit Messketten oder mit lackierten Holzpfählen", erklärte der Düsseldorfer, der augenzwinkernd und mit dem Wissen von heute zugeben musste, dass das Metrische System, das die Franzosen auch nach Preußen gebracht hatten, recht praktisch gewesen war zum Rechnen. "Allerdings sprechen wir jetzt von preußischen Meilen. Eine preußische Meile entspricht etwa siebeneinhalb Kilometern."

Martin Klöffler ging bei seinem Vortrag, bei dem er einige historische Landkarten zeigte, auch auf die Situation Grevenbroichs ein: "Die große Poststraße von Düsseldorf nach Aachen führte genau an Grevenbroich vorbei." Interessant: Bereits damals gab es eine Art Maut, bei der die Fuhrwerke immer wieder an Schlagbäumen für die Weiterfahrt bezahlen mussten - Anfang des 19. Jahrhunderts ein teures Vergnügen. Und Klöffler erzählte auch von einigen Vorschriften, die er in Sachen Straßenbau zu beachten habe: So sollten die Straßen, die mit Kies aufgeschüttet werden, genau acht Meter und 80 Zentimeter breit sein, damit sich auch zwei Fuhrwerke ohne Probleme begegnen können. "Als Straßendecke dient grober Sand. Die Hufe der Pferde und die Eisenräder der Kutschen drücken den Sand fest", erklärte der kostümierte Referent, "selbstverständlich führen wir aber auch Instandhaltungsarbeiten durch."

Die Besucher - leider waren es nur wenige, obwohl der Vortrag recht lebendig war und die Referenten zeitgenössisch auftraten - stellten interessiert einige Fragen zur Situation in den linksrheinischen Gebieten, die Klöffler und sein Assistent Moser ohne Weiteres beantworten konnten. So zum Beispiel die Frage nach dem Sold: 600 Taler pro Jahr - ein Verdienst, mit dem man sich zur damaligen Zeit zwar keine großen Sprünge erlauben, aber immerhin eine schöne Wohnung in Düsseldorf leisten konnte.

(cka)