Grevenbroich: Zaun kommt, Graben sicher

Grevenbroich : Zaun kommt, Graben sicher

Seit Jahrzehnten fließt entlang der Frimmersdorfer Höhe ein Graben. Dieses Gewässer ist jetzt von Fachleuten als Gefahr erkannt worden. Die Folge: Ein 2,7 Kilometer langer Zaun muss errichtet werden. Kosten: etwa 74 000 Euro.

Es soll schon Hunde gegeben haben, die das Flüsschen von den Beinen gerissen und durch ein Rohr in die Erft gespült hat. "Nicht auszudenken, wenn das einem kleinen Kind passierten würde", erklärt der städtische Dezernent Werner Hoffmann. Als Eigentümerin des Grabens am Fuße der Frimmersdorfer Höhe zieht die Stadt nun die Reißleine: Entlang des Gewässers wird in Kürze ein 2,7 Kilometer langer Zaun errichtet.

Der Graben wird hauptsächlich von Kühlwasser aus dem Neurather Kraftwerk gespeist. Kurz vor der Kreisstraße 38 verschwindet er in einem Rohr und mündet schließlich in der Erft. Das Tückische aus Hoffmanns Sicht: "Das V-förmige Flüsschen ist zum Teil bis zu 60 Zentimeter tief, seine Ränder und der Boden aus Beton sind sehr glitschig — eindeutig eine Gefahrenstelle." Zudem sei auch die Fließgeschwindigkeit nicht ohne: bis zu zwei Meter in der Sekunde.

Laut Hoffmann liege der Stadt seit einigen Wochen eine fachliche Expertise vor. Diese rate ihr dringend dazu, den Graben mit einem etwa 1,30 Meter hohen Zaun von dem nebenan liegenden Feldweg abzugrenzen. "Das werden wir jetzt machen, um mögliche Unfälle zu verhindern. Als Eigentümerin stehen wir schließlich in der Verkehrssicherungspflicht", betont der Planungsdezernent: "Machen wir es nicht, hätten wir bei einem Unfall ein großes Problem."

Ganz preiswert ist das Vorhaben jedoch nicht: Der Zaun kostet etwa 74 000 Euro. RWE — bis in die 1970er Jahre Eigentümerin des Grabens — hat sich bereit erklärt, die Hälfte der Zeche zu übernehmen. Ein Verfahren, das jetzt für Kritik aus dem Ort sorgt: "Die Hälfte von 74 000 Euro ist für die finanziell angeschlagene Stadt Grevenbroich viel Geld", sagt der Neurather Willibert Müller, der für die Aktiven Bürger im Stadtrat sitzt. Er hat einen Brief an die Bürgermeisterin geschickt und sie aufgefordert, die Verhandlungen mit RWE Power aufzunehmen. "Ziel sollte es sein, dass der Konzern die gesamten Kosten übernimmt. Er nutzt nicht nur den Graben, sondern belastet die südlichen Stadtteile zusätzlich mit dem neuen BoA-Kraftwerk", mault Müller.

Dass ein Zaun unbedingt notwendig ist, bezweifelt der Neurather: "Mit Toren oder Schranken an den Eingängen des Wirtschaftsweges könnte die Stadt auch ihrer Verkehrssicherungspflicht nachkommen", so Müller. Ketzerisch fragt er vor diesem Hintergrund: "Wann wird denn die Erft eingezäunt?"

Laut Werner Hoffmann gar nicht. Denn: "Die Erft als größerer offener Fluss ist schon von weitem als Gefahrenquelle zu erkennen", sagt er. Anders beim Neurather Graben: "Wenn das Gras im Sommer höher steht, liegt er im Verborgenen und ist für Spaziergänger nicht einsehbar. Es gibt potenzielle Gefahren, der Graben wird nun gesichert."

(NGZ/rl)
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