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Grevenbroich: Wo Grevenbroich wächst und schrumpft

Grevenbroich : Wo Grevenbroich wächst und schrumpft

Die Stadtteile kämpfen gegen den Bevölkerungsrückgang. Dazu bedarf es bezahlbaren Wohnraums. Neubaugebiete werten ganze Orte auf.

Der dickste Brocken müsste zunächst mal umgebaut werden: Das alte Finanzamt an der Erckensstraße 2 gehört mit einem Kaufpreis von 1,6 Millionen Euro zu den zurzeit teuersten verfügbaren Immobilien in der Schlossstadt — und gilt als schwer vermittelbar. SPD-Ratsherr Holger Holzgräber hat bereits die Nutzung als Studentenwohnheim angeregt, andere Investoren hatten dort über den Neubau eines Mehrfamilienhauses nachgedacht. Bis dort neue Bürger einziehen, wird es aber in jedem Fall noch dauern.

Wer den Kauf oder Bau eines Hauses in der Schlossstadt beabsichtigt, bekommt dazu morgen im Montanushof umfangreiche Informationen. Dort findet von 11 bis 16 Uhr der Immobilientag statt. Stadtsprecher Andreas Sterken weist darauf hin, dass gerade die Neubaugebiete in den vergangenen Jahren ein Erfolgsmodell gewesen seien. "Frimmersdorf, Neukirchen und auch Kapellen profitieren stark durch den Zuzug junger Familien." Ein Pluspunkt ist dabei häufig auch die gute Autobahnanbindung.

Daher verwundert es nicht, dass Kapellen zuletzt zu den Gewinnern unter den Grevenbroicher Stadtteilen zählte. Während die Einwohnerzahl in der Schlossstadt generell zurückgeht — zum 31. Dezember 2012 waren es 64 642 Einwohner, zwei Jahre zuvor noch 64 883 —, gibt es nicht allenthalben "schrumpfende" Orte. Kapellen hat in den vergangenen beiden Jahren um 259 Bürger zugelegt — immerhin um gut drei Prozent. Ebenfalls zugelegt hat in diesem Zeitraum Elsen. Dort leben 6062 Bürger, 2010 waren es noch 5847. Die drei Ballungszentren hingegen haben allesamt verloren: In Stadtmitte ging die Einwohnerzahl von 7478 auf 7271 zurück, in der Südstadt von 5668 auf 5450, und in Wevelinghoven von 7068 auf 6963. Der größte Verlierer aber wird auf Sicht vermutlich Barrenstein sein, obwohl der Bevölkerungsrückgang dort bislang moderat verlief (von 855 Bürgern in 2010 auf 839 in 2012).

Der im vergangenen Jahr von der Stadt vorgelegte und vom Amt für Statistik und Wahlen in Düsseldorf angefertigte Demografiebericht zeichnet für Barrenstein jedenfalls ein düsteres Bild. Demzufolge werde die Einwohnerzahl dort bis 2022 um 17 Prozent zurückgehen. Ebenfalls stark betroffen sind Laach (minus 15,2 Prozent) und Langwaden (minus 11,1 Prozent). Und selbst das derzeit so glänzend dastehende Kapellen hat der Prognose zufolge magere Jahre vor sich: Bis 2022 werde die Bevölkerung dort um 8,3 Prozent zurückgehen. Doch es gibt auch Gewinner: Vor allem Neu-Elfgen (plus 6,9 Prozent), Frimmersdorf (plus 6,4 Prozent) und Gustorf (plus 2,2 Prozent) legen zu.

In Frimmersdorf trägt dazu auch das Neubaugebiet bei. Ralf Müller vom Fachbereich Planung der Stadt hatte in Aussicht gestellt, dass schon im Sommer die ersten Neu-Frimmersdorfer einziehen können. Sie sind schon einen Schritt weiter als viele Bürger, die sich morgen beim Immobilientag beraten lassen. Dort werden auch die Wirtschaftsförderer Carina Lucas und Ulrich Held für den Standort Grevenbroich werben — unter anderem für das alte Finanzamt an der Erckensstraße.

(NGZ/ac)