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Grevenbroich: Wissenschaftler wollen Erft-Exoten erforschen

Grevenbroich : Wissenschaftler wollen Erft-Exoten erforschen

Die exotische Muschelblume vermehrt sich rasant. Der Erftverband und die Universität Düsseldorf haben ein Forschungsprojekt gestartet.

Aquarianer kennen die Muschelblume seit Jahrzehnten. Im Zoohandel wird sie als Zierpflanze für Warmwasserbecken verkauft. Obwohl das Gewächs seine Heimat in den Tropen hat, breitet es sich auf der Erft massiv aus. Denn durch die von RWE eingeleiteten Kühlwässer findet die Pflanze an manchen Stellen des Flusses gute Bedingungen vor, um auch eiskalte Winter zu überstehen. Das kann zu Problemen führen. "Die Muschelblume verdrängt heimische Pflanzen und belastet den Sauerstoffgehalt in Nebengewässern", sagt Dr. Udo Rose vom Erftverband in Bergheim.

Am Dohmer Loch sah es im Sommer 2012 aus wie am Amazonas. Mit "Netzgehegen" wird nun die Keimfähigkeit der Muschelblume erforscht. Foto: Stadt

Gemeinsam mit der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf hat der Verband ein Forschungsprojekt in Grevenbroich gestartet. Im Wasser des Gustorfer Grabens sowie des Dohmer Lochs zwischen Wevelinghoven und Grevenbroich wurden mehrere "Netzgehege" aufgestellt. In diesen abgesperrten Arealen testet ein Team um Dr. Andreas Hussner die Keimfähigkeit des von den Pflanzen produzierten Samens.

"Die Ergebnisse dieses Feldversuchs sind wichtig für die Entscheidung, ob und wenn ja welche Maßnahmen gegen diesen Neubürger in der Pflanzenwelt ergriffen werden sollten", erklärt der Grevenbroicher Umweltschutzbeauftragte Norbert Wolf, der den Versuch aufmerksam beobachtet. Aus gutem Grund: "Denn durch den sehr dichten Wuchs der Pflanzen dringt nahezu kein Licht mehr ins Wasser vor, so dass heimische Pflanzenbestände abzusterben drohen."

Wie Wolf schildert, sei es durch die Massenausbreitung im vergangenen Jahr zu "problematischen Situationen" gekommen. Da sich die Muschelblume in den Innenbereichen der Flusskurven und in Stillwassergebieten stark vermehrt hätte, seien zum Teil seltene Pflanzen verdrängt worden – etwa die unter Naturschutz stehende Gelbe Teichrose. Gravierende Schäden wurden am Dohmer Graben festgestellt, der komplett von der Schwimmpflanze vereinnahmt wurde. "Dort sah es im vergangenen Sommer aus wie am Amazonas", so Norbert Wolf.

Wie die Pflanze mit dem botanischen Namen "Pistia stratiotes" in die Erft kam, ist unklar.Vermutlich gelangte sie nach privaten Aquarienauflösungen in das Wasser. Vor fünf Jahren wurde erstmals ein überwinterndes Vorkommen beobachtet, seitdem breitet sich die Schwimmpflanze immer weiter aus. Wie Zählungen ergaben, die von Juni und September 2012 vorgenommen wurden, werden pro Tag zwischen 1000 und 10 000 Pflanzen in den Rhein transportiert. Dass sich die Muschelblume aber im kalten Wasser des Stroms etablieren wird, schließen die Experten der Universität Düsseldorf aus.

Udo Rose wartet nun gespannt die Forschungsergebnisse ab. "Sicherlich wird uns die Muschelblume noch längere Zeit beschäftigen", sagt er. Er geht jedoch davon aus, dass sich das Problem in den nächsten Jahrzehnten von alleine lösen wird. "Wenn die Kühlwässer nicht mehr in die Erft eingeleitet werden, wird das Wasser zu kalt für diese Pflanze. Dann wird der Spuk von selbst wieder verschwinden."

(NGZ/rl)