Grevenbroich: Wintervarieté doch kein Betrug

Grevenbroich : Wintervarieté doch kein Betrug

Das Amtsgericht hat das Verfahren um das erfolglose Wintervarieté eingestellt. Die drei Organisatoren hatten bei der Planung zwar nahezu alles falsch gemacht – ein vorsätzlicher Betrug war ihnen aber nicht nachzuweisen.

Das Amtsgericht hat das Verfahren um das erfolglose Wintervarieté eingestellt. Die drei Organisatoren hatten bei der Planung zwar nahezu alles falsch gemacht — ein vorsätzlicher Betrug war ihnen aber nicht nachzuweisen.

Auf der Anklagebank des Amtsgerichts mussten gestern ein früherer Sport-Manager aus Grevenbroich, der ehemalige Seilakrobat Giancarlo S. aus Italien und dessen Sohn Platz nehmen. Der Sohn des Akrobaten allerdings war gar nicht erst angereist, sein Vater konnte sich nur per Dolmetscher behelfen. Er schilderte der Richterin, wie es zu dem Chaos um das "Wintervarieté" vor knapp zwei Jahren gekommen war.

"Wir haben Ende Oktober/Anfang November mit den Planungen begonnen", erklärte der frühere Seiltänzer: "Ich war dafür zuständig, die Artisten zu verpflichten und das Zirkuszelt zu buchen." Auf die Frage, ob die Vorlaufzeit nicht ein wenig knapp gewesen sei, zuckte er nur mit den Schultern — er hatte sich nach eigenen Angaben ganz auf die Zusagen des Mitangeklagten aus Grevenbroich verlassen. Der nämlich hatte offenbar versprochen, Sponsoren für das kühne Vorhaben heranzuschaffen.

Das Projekt ging jedoch schief. "Da kam alles zusammen", meinte der Grevenbroicher vor Gericht: "Das Winter-Wetter, die enormen Sicherheitsauflagen, letztlich haben alle Sponsoren abgesagt." Als eine Bank in Italien auch noch einen Kredit ablehnte, standen die "Varieté-Planer" zwar mit Zirkus-Zelt und Artisten, aber ohne Geld da — und das, obwohl der Ex-Manager nach eigenen Angaben früher ein Vermögen von sechs Millionen D-Mark angehäuft hatte.

"Wir haben darauf gehofft, dass möglichst viele Eintrittskarten verkauft werden", so Giancarlo S.: "Allerdings wurde keine Werbung gemacht." Warum das so war, konnte gestern vor Gericht nicht geklärt werden. "Ich hatte Plakate drucken lassen", behauptete der Ex-Manager: "die wurden aber nicht aufgehängt, sondern nur im Kofferraum rumgefahren."

Letztlich entstand bei vielen Beteiligten ein immenser Schaden: Kein Artist konnte bezahlt werden, die Moderatorin Marijke Amado reiste nach nur einer einzigen Vorstellung wieder ab und auch die vierstellige Rechnung im Wevelinghovener Central-Hotel konnte nicht beglichen werden. Trotzdem stellte die zuständige Richterin das Verfahren nach kurzer Beratung ein.

"Die Angeklagten sind sicherlich naiv und dilettantisch vorgegangen", sagte Verteidiger Michael Zimmermann nach der Verhandlung im Gespräch mit der NGZ, "sie wollten aber niemanden betrügen." Damit kam der Grevenbroicher letztlich mit einem blauen Auge davon — mehr als 20 Mal war er von verschiedenen Gerichten bereits verurteilt worden.

Wie am Rande der Verhandlung bekanntwurde, hatte auch die "Gesundheitsmesse" in Grevenbroich in 2008 inzwischen ein gerichtliches Nachspiel. Auch hier saß er als Organisator mit im Boot, konnte aber letztlich seinen nach eigenen Angaben "alten Freund" und Turnlegende Eberhard Gienger nicht bezahlen, der ihn daraufhin vor Gericht zerrte. Der Grevenbroicher wurde dafür zu einer Geldstrafe verurteilt.

(NGZ/rl)
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