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Grevenbroich: Winterdorf im Mini-Format

Grevenbroich : Winterdorf im Mini-Format

Bei Heino Wellenberg ist der Adventsmarkt ganzjährig geöffnet. Er baut ein Fachwerkdorf mit Schnee und liebevollen Details. Die Basis dafür lieferte seine erste Modellbahnanlage.

Zehn bis elf Grad Celsius und natürlich wieder einmal kein Schnee zum Fest. Nur ein kleines Dorf trotzt den wenig weihnachtlichen Wetterprognosen: Auf dem Dachboden von Heino Wellenberg in Hemmerden heißt es ganzjährig Ski und Rodel gut. Der 62-Jährige hat etwas Besonderes geschaffen - ein tief verschneites vorweihnachtliches Dorf mit einem romantischen, gut besuchten Adventsmarkt im Mittelpunkt - eine komplette kleine Welt im Maßstab 1:87, die aus seiner ersten, vor Jahrzehnten gebauten Modellbahn-Anlage entstanden ist. Von der Realität ist vieles erst auf den zweiten Blick zu unterscheiden.

Grevenbroich: Winterdorf im Mini-Format
Foto: Berns Lothar

Heino Wellenberg ist Herr einer ganzen Stadt, von Riesen-Rummelplätzen und ausgedehnten Industriegebieten mit Eisenbahnen. In seinem Hobbyraum mit bester Ordnung hat der Elektronik-Ausbilder, der sich in Altersteilzeit befindet, etliche Dioramen aufgebaut - vor Staub geschützt hinter Glas. Eine seiner Modelllandschaften ist das Winterdorf. Die Basis dafür bildete eine Jahrzehnte alte Modellbahnanlage, "die ich vor 35, 40 Jahren gebaut habe", erzählt der Hemmerdener. Weitere Anlagen kamen hinzu. "Doch ich wollte nicht nur einfach ein Dorf nach dem anderen bauen, sondern verschiedene Themen und Jahreszeiten darstellen." So wurde aus der ersten Modellwelt komplett Neues geschaffen.

 Hoffetlich gerät kein Auto ins Rutschen, der Winterdienst sollte bald kommen. Vieles auf dem Diorama sieht verblüffend realistisch aus.
Hoffetlich gerät kein Auto ins Rutschen, der Winterdienst sollte bald kommen. Vieles auf dem Diorama sieht verblüffend realistisch aus. Foto: Wellenberg
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Heino Wellenberg ist ein Mann der Details. Die hübschen Fachwerkhäuser wurden aus Bausätzen errichtet und "gesupert", also mit Spuren des Alterns versehen. Auch Weihnachtsmarktbuden gibt's im Handel, doch dann beginnt erst die eigentliche Arbeit des "Schöpfers", der oft viele Stunden am Tag in seiner Werkstatt in Keller aktiv ist. "Alle Figuren sind handbemalt. An einem Wochenende schaffe ich rund 100 Figuren."

 Ob diese Illumination wirklich in das Fachwerk-Dorf passt? Hier wohnt die Familie Griswold aus dem US-Film "Schöne Bescherung".
Ob diese Illumination wirklich in das Fachwerk-Dorf passt? Hier wohnt die Familie Griswold aus dem US-Film "Schöne Bescherung". Foto: Wellenberg

Hunderte, etwa zwei Zentimeter hohe Frauen, Männer und Kinder bevölkern das Dorf, betrachten an einer Bude ein Mini-Schaukelpferd oder besorgen sich beim Weihnachtsbaumverkauf eine Tanne. Der Modell-Bahn-Club aus dem Dorf besetzt einen eigenen Stand - dort fährt eine nur millimetergroße Eisenbahn im Kreis. Etwas weiter bauen Kinder einen Schneemann mit Möhren-Nase. Andere Bewohner genießen die romantische Schlittenfahrt mit zwei vorgespannten Schimmeln, hoffentlich gerät kein entgegenkommendes Modellauto ins Rutschen. Klar, dass die Häuser weihnachtlich geschmückt sind. Die Weihnachtsbeleuchtung entstand aus Sternchen, die man etwa bei Festen als Deko streut. An jeder Weihnachtstanne am Markt hat Heino Wellenberg 40 bis 120 Birnchen montiert. Eine Gruppe von Menschen hat sich vor einem mit grünen und roten Lämpchen geschmückten Haus versammelt. Drinnen leben, wie das Namensschild verrät, Clark und Ellen Griswold mit ihren Kindern - eine Anleihe aus dem US-Film "Schöne Bescherung". Vermutlich diskutiert die Figuren-Gruppe draußen, ob die knallbunte Illumination zum historischen Ortsbild passt. Mehrere Sportler machen sich zum Ski-Langlauf auf, die Seilbahn wird sie sicher gleich zum Gipfel bringen. In der Ferne ragt eine verschneite Burg auf. Weihnachtsmusik ist zu hören, in die Klänge mischt sich das Kreische einer Motorsäge, wenn irgendow im Wald ein Baum gefällt wird

 Fachwerkhäuser, Schnee und Schlitten-Partie - das perfekte Umfeld fürs romantische Weihnachtstfest. Vor der Bescherung bauen Kinder einen Schneemann.
Fachwerkhäuser, Schnee und Schlitten-Partie - das perfekte Umfeld fürs romantische Weihnachtstfest. Vor der Bescherung bauen Kinder einen Schneemann. Foto: Wellenberg

Im Hintergrund des Dioramas wird nicht gefeiert, sondern in mehreren verschneiten Fabriken gearbeitet. "Ich liebe Industrie", sagt der RWE-Mitarbeiter, der die Winterwelt samt Beleuchtung und Ton vom Tablet aus steuert.

Eine Häusergruppe auf dem Diorama steht noch kahl und ist nicht bevölkert. Und im Tal hinter dem Dorf ist noch Platz für eine Kunsteisbahn - Aufgaben fürs nächste Jahr. "Fertig werden dürfen die Modellanlagen nicht, das Interessante ist das Bauen", betont Wellenberg.

Ein Geheimnis, das der Hemmerdener lüftet: Wie entstand die tief verschneite Landschaft? "Auf den Hausdächern habe ich zunächst drei Millimeter starke, weiße Kunststoffplatten aufgebracht", erläutert der "Wettermacher". Dann folgen mehrere Schichten aus weißer Farbe, Leim, Moltofill - zuletzt sorgen im Handel erhältliche Glassplitterchen für das verblüffend realistisch wirkende Glitzern.

(NGZ)