1. NRW
  2. Städte
  3. Grevenbroich

Grevenbroich: Winter-Varieté: Staatsanwalt erhebt Klage

Grevenbroich : Winter-Varieté: Staatsanwalt erhebt Klage

Die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach hat rund ein Jahr nach der Aufregung um den "Flop" beim "Grevenbroicher Winter-Varieté" Anklage gegen die Hintermänner erhoben.

Zwei 73 und 38 Jahre alte Männer aus Italien und ein Grevenbroicher (65) müssen sich vor dem Grevenbroicher Amtsgericht verantworten. Sie sollen als Betreiber des "Winter-Varietés" unter anderem Besucher, einen Hotelier, Künstler, eine Druckerei und etliche weitere Beteiligte betrogen haben.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass den drei Angeklagten von Anfang an klar gewesen sein muss, dass die Veranstaltungsreihe nicht wie geplant hätte stattfinden können. "Die Angeschuldigten entwickelten einen gemeinsamen, arbeitsteiligen Tatplan", heißt es in der Anklage, "unter Vortäuschung ihrer Leistungsfähigkeit verschafften sie sich unter dem Namen ,Gesellschaft für Zukunftsinnovationen' einen Manegenplatz, ließen Tickets drucken, mieteten ein Hotel und verkauften Eintrittskarten." Laut Ermittlungen war auch der Zeitraum für die entsprechenden Planungen viel zu kurz: Erst Ende Oktober soll das angeklagte Trio mit den Vorbereitungen begonnen haben — schon Anfang Dezember sollten die ersten Artisten unter der Leitung von TV-Moderatorin Marijke Amado für staunende Gesichter im Zirkuszelt an den Lindenstraße sorgen. Das Ergebnis: Trotz Unterstützung durch die Stadt wurde das "Winter-Varieté" nach nur wenigen Vorstellungen abgebrochen und die Künstler reisten ab.

Der Zirkus indes blieb den Grevenbroichern noch erhalten: Bis Ende Februar "gastierten" die Pferde und das Zirkuspersonal vor Ort und hinterließen haufenweise Müll und Mist. Insgesamt geht die Staatsanwaltschaft von einem Schaden von mehr als 10 000 Euro aus. Das allerdings ist offenbar nur die Spitze des Eisbergs: Bei der NGZ haben sich etliche weitere Geschädigte gemeldet, die wegen mangelnder Erfolgsaussichten gar nicht erst rechtlich gegen die Angeklagten vorgegangen waren. Ihren Angaben zufolge schuldet ihnen das Trio noch mehr als 60 000 Euro. Die drei Angeklagten indes beschuldigen sich laut Ermittlungen gegenseitig.

Unklar ist, ob die beiden angeklagten Männer aus Italien überhaupt zum Prozess in Grevenbroich anreisen werden. Der 65-jährige Angeklagte aus Grevenbroich hat laut Ermittlungen bereits 27 Vorstrafen. Die Staatsanwaltschaft hat insgesamt knapp ein Dutzend Zeugen benannt, um den Fall aufklären zu können. Ein Prozesstermin steht noch nicht fest.