"Schäden hätten frühzeitiger erkannt werden müssen.": Wieder Baustopp für Bahnhof

"Schäden hätten frühzeitiger erkannt werden müssen." : Wieder Baustopp für Bahnhof

Von Julia Nakötter Die Standsicherheit des Gustorfer Bahnhofs ist gefährdet . Die Eisenträger der Kellerdecke sind durchgerostet , die ehemalige Abfertigungshalle muss abgestützt werden. Laut einem Gutachten ist zuerst eine Sanierung nötig, bevor der Eigentümer im Innern des Bahnhofs weiterbauen darf.

Von Julia Nakötter Die Standsicherheit des Gustorfer Bahnhofs ist gefährdet . Die Eisenträger der Kellerdecke sind durchgerostet , die ehemalige Abfertigungshalle muss abgestützt werden. Laut einem Gutachten ist zuerst eine Sanierung nötig, bevor der Eigentümer im Innern des Bahnhofs weiterbauen darf.

Das Landgericht hat entschieden: Der laufende Mietvertrag zwischen dem Eigentümer des Gustorfer Bahnhofs, Horst Merkens, und dem Pächter der Immobilie, Hans Lawrenz, ist aufgelöst, wie beide Parteien am Montag auf Anfrage bestätigten. Seit einem Jahr kämpften sie vor den Augen von Justitia um das historische Gebäude. Ein Baustopp löste damals den Streit aus. Der Grund: die Eisenträger der Kellerdecke sind durchgerostet, die ehemaligen Abfertigungshalle muss abgestützt werden.

Zu diesem Schluss kommt jetzt auch der von Hans Lawrenz bestellte Gutachter. Der beauftragte Sachverständige überprüfte im Rahmen des Gerichtsverfahrens im Mai die Statik des Gebäudes. Das Ergebnis: die Standsicherheit des Gustorfer Bahnhofs ist gefährdet. Die Nutzung der Immobilie am Josef-Bremer-Platz wird bis auf weiteres dem Eigentümer untersagt - die Mängel müssen zuerst behoben werden. "Aufgrund dieses Gutachtens wurde jetzt auch das städtische Bauamt aktiv.

Mir ging eine schriftliche Anweisung zu. Jetzt müssen nach meiner Ansicht erneut die Statiker ins Haus", sagt Besitzer Horst Merkens. Laut Ingenieur-Bericht haben sich die Stahlträger der Kappendecke unterhalb der ehemaligen Abfertigungshalle und dem Hauptgebäude durch eine Korrosion um bis zu 50 Prozent verringert. Aus den dazwischenliegenden Betonplatten lösen sich drei Zentimeter dicke Schichten ab. "Das ist traurig, aber wahr", erklärt der ehemalige Mieter Hans Lawrenz aus Gustorf.

"Die Schäden hätten frühzeitiger erkannt werden müssen, doch die Stahlträger wurden mit Farbe übermalt, erst mit der Zeit kam wieder der Rost durch", berichtet der Gastwirt, dem das naheliegende "Gustorfer Brauhaus" gehört. Im ehemaligen Bahnhof wollte Lawrenz gemeinsam mit seiner

Frau eine Art Frühstückscafé mit Mittagstisch für Reisegäste eröffnen. Vor einem Jahr suchte sich der Gustorfer Gastwirt eine Brauerei als Partner. Toilettenanlagen, Kühlkeller sowie Theke wurden eingebaut.

"Nach der jetzigen Vertragsauflösung haben wir alles, was beweglich war, wieder heraus geräumt. Im September wird erneut über eine Abfindung vor Gericht verhandelt", berichtet Lawrenz. Geschätzt geht es um dann um Erstattungskosten von 50 000 Euro. "Um das alte Bahnhofsgebäude in solch einer tolle Lage ist es schade. Wir haben über Jahre viele Arbeitsstunden und Schweiß reingesteckt, auch Freunde haben stundenweise bei einer Flasche Bier dort mitgeholfen. Jetzt ist es ein Fass ohne Boden geworden.

Allein für die Deckensanierung müsste ein sechsstelliger Betrag aufgebracht werden", ist sich der ehemalige Mieter sicher. Marode präsentiert sich zudem immer noch die Fassade und eine angrenzende Lagerhalle. Die Verblendung des Gebäudes besteht aus Eternitplatten, die aufwendig saniert werden müssen. Abreißen oder gar verkaufen möchte Besitzer Horst Merkens die baufällige Immobilie trotz statischer Mängel nicht: "Ich plane weiterhin, das Haus privat zu nutzen. Ich möchte in der ehemaligen Gaststätte ein Kunst- und Kram-Café einrichten", sagt der Kaarster.

Der Inhaber überlegt nun, einen Statiker zu beauftragen, der die Kellerdecke zum zweiten Mal unter die Lupe nimmt. Zur Finanzierung der Sanierung wollte sich Merkens am Montag nicht äußern. Mit dem Kauf des Bahnhofsgebäudes am Josef-Bremer-Platz hatte sich der Kaarster vor zwei Jahren "den Traum von einem historischen Gebäude verwirklicht". Seit dem Rechtsstreit ist die Faszination jedoch verflogen: "Wir verhandeln weiterhin über eine Abfindung. Lange machen meine Banken das nicht mehr mit", so Merkens.

(NGZ)
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