Grevenbroich: Wie die BoA funktioniert

Grevenbroich: Wie die BoA funktioniert

Der erste der beiden neuen Kraftwerksblöcke in Neurath befindet sich jetzt im Testbetrieb. Mitte des Jahres soll er ans Netz gehen. Die NGZ zeigt, wie das Kraftwerk funktioniert und was es von seinen Vorgängern unterscheiden soll.

Die BoA kommt in Bewegung. Seit einigen Wochen steigt das erste Mal Rauch aus dem Kühlturm des Blocks G auf. Derzeit werden die Teile der Anlage nach und nach geprüft und in Betrieb genommen. Bald soll das erste Mal Dampf auf die Turbinen kommen. "Wir sind in der Testphase", sagt Baustellenleiter Manfred Hensel. In Kürze soll der erste der zwei modernen Kohlekraftwerks-Blöcke, die seit 2006 in Grevenbroich entstehen, den Betrieb aufnehmen. "Der Block G wird voraussichtlich Mitte des Jahres ans Netz gehen, der Block F folgt zum Jahresende", sagt Hensel.

2,2 Milliarden Euro investiert RWE in die beiden Kraftwerksblöcke in Neurath, die jeweils 1100 Megawatt Strom produzieren sollen. Die Bauart nennt RWE BoA — Braunkohlekraftwerk mit optimierter Anlagentechnik. Der erste Block dieser Reihe ging 2003 in Niederaußem in Betrieb.

Der technische Fortschritt der neuen Blöcke soll sich vor allem in einer höheren Effizienz zeigen, durch die weniger Kohle verbraucht wird und deshalb weniger Schadstoffe ausgestoßen werden. Die BoA-Blöcke sollen einen Wirkungsgrad von mehr als 43 Prozent haben. Das bedeutet, dass fast die Hälfte der bei der Verbrennung erzeugten Energie in Strom umgewandelt wird, der Rest geht etwa durch Wärme verloren. Zum Vergleich: Die älteren Blöcke von RWE in Frimmersdorf, die als Ausgleich für die neuen Anlagen stillgelegt werden, erreichen nur 31 Prozent. Nach Angaben von RWE setzen die beiden neuen BoA-Blöcke dadurch pro Jahr sechs Millionen Tonnen weniger des klimaschädlichen Gases Kohlendioxid frei als ihre Vorgänger in Frimmersdorf.

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Im Prinzip funktioniert das neue Kraftwerk dabei immer noch wie die althergebrachte Dampfmaschine: Die Kohle, die aus den Tagebauen Hambach und Garzweiler per Eisenbahn kommt, wird gemahlen und in den Dampferzeuger-Türmen verbrannt. Im Normalbetrieb verbraucht ein Block in einer Stunde 820 Tonnen Kohle. Das Feuer erhitzt Wasser in einem Kessel, das dann als Dampf mit hohem Druck auf Turbinen geleitet wird, welche die Energie in elektrischen Strom umwandeln. Der Prozess läuft vollautomatisch und wird in der Leitstelle am Bildschirm überwacht.

In 15 Minuten halbe Leistung

Ein weiterer technischer Fortschritt der BoA-Blöcke ist, dass sich ihre Leistung schnell regulieren lässt. So kann das Kraftwerk innerhalb von 15 Minuten seine Leistung halbieren. RWE sieht darin eine Möglichkeit, wie sich die klimaschädliche Stromerzeugung durch Kohle regenerative Technologien unterstützen könnte. So könnten die BoA-Blöcke etwa Windenergieanlagen ergänzen und ihre Leistung immer dann erhöhen, wenn weniger Wind weht.

(NGZ)
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