1. NRW
  2. Städte
  3. Grevenbroich

Grevenbroich: Wie der Guppy in die Erft kam

Grevenbroich : Wie der Guppy in die Erft kam

Ein Hauch von Amazonas umweht die Erft: Experten haben in diesem Jahr erstmals den tropischen Guppy im Fluss nachgewiesen. Er ist längst nicht der einzige Exot, der sich im warmen Wasser wohlfühlt und vermehrt.

Schon lange vermutete Udo Rose, dass sich Guppys im warmen Wasser der Erft tummeln. Seine Theorie konnte der promovierte Biologe jedoch erst in diesem Jahr untermauern. Bei einer Kanu-Expedition stieß er in Grevenbroich auf ganze Schwärme dieses kleinen tropischen Fisches. "In der Uferzone, etwa 100 Meter von der Kühlwassereinleitung des Frimmersdorfer Kraftwerks entfernt, entdeckten wir die Tiere", erklärt der Mitarbeiter des Erftverbandes.

Der bunt-schillernde Guppy hat sein Zuhause eigentlich in tropischen Gefilden, etwa in Venezuela und Guyana. Dass er sich auch im kühlen Grevenbroich wohlfühlt, liegt an einer Besonderheit: "Die Erft wird von Sümpfungswässern aus dem Tagebau gespeist, dadurch ist sie wärmer als andere Flüsse", erklärt Rose. Wenn die Temperatur vergleichbarer Gewässer im Winter gegen Null tendiert, herrschen im Grevenbroicher Abschnitt immer noch mollige zwölf bis 15 Grad. "Das sind ideale Bedingungen für diesen Exoten", betont der Biologe.

Der Guppy, der seinen Nachwuchs lebend zur Welt bringt, gehört zu den beliebtesten Aquarienfischen — auch weil er sich schnell vermehrt. "Das dürfte wohl der Grund dafür sein, dass er irgendwann in der Erft landete. Aquarianer haben hier ihren überzähligen Besatz ausgesetzt", sagt Rose.

Gemeinsam mit dem Guppy-Experten Michael Kempkes fand er heraus, dass sich die Erft-Guppys von ihren Artgenossen aus dem Aquarium jedoch sichtbar unterscheiden. "Zum einen sind sie nicht so farbenprächtig, zum anderen fehlt ihnen der spektakuläre Schleierschwanz — sie haben fast ihre Wildform angenommen", berichtet der Biologe. Die beiden Fisch-Forscher vermuten, dass sich die ausgesetzten Tiere in relativ kurzer Zeit ihrer Umgebung angepasst haben — auch aus Schutz gegen Feinde.

Der Guppy ist längst nicht der einzige Exot im Heimatgewässer. Etliche Aquarienpflanzen haben sich in den vergangenen Jahren im warmen Wasser verbreitet und verleihen der Erft einen Hauch von Amazonas. So ist etwa die subtropische "Sumpfschraube" am weitesten verbreitet. "Ob die Gefahr besteht, dass sie heimische Pflanzen beeinträchtigen wird, muss beobachtet werden", sagt Udo Rose. Neben den Pflanzen beheimatet die Erft noch weitere exotische Gäste: Alleine 16 wirbellose Tiere konnten nachgewiesen werden — darunter die Körbchenmuschel aus Ostasien, ein Egel aus Südasien und die Wollhandkrabbe aus China.

Ein großer Teil der fremden Fauna und Flora dürfte mit dem Ende der Wassereinleitung aus dem Tagebau wieder verschwinden, meint Udo Rose: "Die winterlichen Temperaturen fallen dann — trotz Klimawandels — voraussichtlich zu tief."

(NGZ/rl)