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Grevenbroich: WfB-Chef sorgt sich um Zukunft der Werkstatt

Grevenbroich : WfB-Chef sorgt sich um Zukunft der Werkstatt

Im Zuge der Inklusion fürchtet Wilfried Moll um den Fortbestand der Werkstätten. Die aber würden Behinderten wertvollen Schutz bieten.

Etwa 680 Mitarbeiter sind in der Werkstatt für Behinderte (WfB) in Hemmerden beschäftigt. In den fünf Betrieben sorgten sie alleine im Vorjahr für einen Umsatz von rund 3,8 Millionen Euro. Trotz guter Bilanz blickt Geschäftsführer Wilfried Moll aber nicht ganz sorgenfrei in die Zukunft. Angesichts der Inklusions-Debatte fürchtet er um den Fortbestand der nahezu 50 Jahre alten Einrichtung. "Ich habe den Eindruck, dass die Politik einen Aufenthalt von Behinderten in Werkstätten wie der unseren mehr und mehr vermeiden möchte", sagt er.

Der WfB-Chef begrüßt zwar Initiativen, die eine Teilhabe am Arbeitsleben ermöglichen. Doch für Menschen mit geistiger Behinderung oder psychischen Erkrankungen - sie machen den größten Teil der Werkstatt-Belegschaft aus - sieht er Probleme: "Mindestens 90 Prozent unserer Mitarbeiter haben keine Chance, auf dem ersten Arbeitsmarkt vermittelt zu werden", betont Wilfried Moll: "Denn dort wird in der Regel ein hochflexibles, mobiles und vor allem selbstständig handelndes Personal gesucht - und zwar unter immer schärfer werdenden Bedingungen." Wie der Geschäftsführer betont, hätten im vergangenen Jahr lediglich vier von 680 behinderten Beschäftigten einen Arbeitsplatz außerhalb der Werkstatt finden können.

  • Foto: Peter Meuter / Solingen ,
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Einen "guten Weg", um behinderte Menschen in das "normale" Arbeitsleben zu integrieren, sieht er in den sogenannten Außenarbeitsplätzen. Schon seit einigen Jahren sind rund 30 WfB-Mitarbeiter im Jüchener Distributionscenter des Weltkonzerns 3M beschäftigt. Sie übernehmen dort Konfektionierungsarbeiten - und das recht erfolgreich. Technik, Kommunikation und Liefertreue des Teams wurden bereits mehrfach vom Unternehmen ausgezeichnet. "Wir schätzen diese Leistung sehr", betont Rainer Kriesten, der Leiter des Centers. Der Vorteil aus Sicht von Wilfried Moll: "Unsere Mitarbeiter sind in das Unternehmen und die Abläufe gut integriert. Sie stehen damit mitten Arbeitsleben, genießen aber den Schutz unserer Werkstatt."

Schutz - das heißt in diesem Fall ein Team von Fach- und Pflegekräften sowie Sozial- und Heilpädagogen, die sich um die Betreuung der Behinderten kümmern. "Das ist eine sehr personalintensive Aufgabe", betont der Geschäftsführer und er mahnt: "Wenn Menschen mit geistiger Behinderung oder psychischen Erkrankungen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt vermittelt werden sollen, muss diese Unterstützung gesichert sein. Für dieses Know-how muss aber viel Geld in die Hand genommen werden."

Schutz bedeutet für Wilfried Moll aber auch das verbriefte Recht auf einen Arbeitsplatz, den die Werkstatt für Behinderte ihren Mitarbeitern gewährt. "Diese Sicherheit geben wir ungeachtet der Schwere einer Behinderung", stellt der WfB-Chef klar: "Das ist ein nicht zu vernachlässigender Faktor. Denn in der freien Wirtschaft kann wohl niemand mehr einen sicheren Arbeitsplatz garantieren."

(NGZ)