1. NRW
  2. Städte
  3. Grevenbroich

Grevenbroich: Wevelinghovenerin ist aus Ägypten geflohen

Grevenbroich : Wevelinghovenerin ist aus Ägypten geflohen

Die Unruhen in Ägypten liegen jetzt tausende Kilometer entfernt, "aber ich habe noch gar nicht richtig realisiert, dass ich hier bin", sagt Katja Kottmann. Am Donnerstag Abend landete die Geschäftsfrau auf dem Düsseldorfer Flughafen, ihr Vater nahm sie dort die Arme.

Ihre Mutter Elly Kottmann war als Akteurin bei der Damensitzung der Katholischen Frauen in Wevelinghoven eingebunden, "aber in Gedanken war ich die ganze Zeit bei meiner Tochter. Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen, als ich von ihrer Landung erfuhr", sagte die 59-Jährige gestern.

Katja Kottmann wohnt jetzt bei ihr in Wevelinghoven. Seit zweieinhalb Jahren arbeitet die 37-Jährige als Floristin in Sharm el Sheikh an der Südspitze der Sinai-Halbinsel, ist Geschäftsführerin von drei "Floral-Tower"-Geschäften in Luxus-Hotels. Die Blumen-Läden sind nun geschlossen. "Am Flughafen in Sharm el Sheikh war es ruhig, zwei deutsche Mitarbeiter landen am Samstag in Düsseldorf", berichtet Katja Kottmann.

Regelmäßig telefoniert sie mit Bekannten in Ägypten, "In Sharm el Sheikh ist die Lage nicht dramatisch. Aber die Atmosphäre ist bedrückend und aggressiv. Obwohl ich kein Angsthase bin, blieb ich oft auf meinem Zimmer." Viele Ägypter, die etwa in den Hotels arbeiten, seien in ständiger Sorge um Verwandte. "Sie berichten von Plünderungen und Vergewaltigungen in Kairo, Alexandria und Suez." Kein Verständnis hat sie fürs Verhalten deutscher Behörden. "Die deutsche Botschaft und das Auswärtige Amt haben die Lage völlig falsch eingeschätzt, hätten schneller reagieren müssen. Es kommt einem komisch vor, wenn die niederländische und litauische Botschaft Landsleute anrufen und fragen, wie es ihnen geht – und die deutsche Botschaft sich nicht rührt." In den vergangen Tagen hätten viele europäische Länder ihre Staatsangehörigen ausgeflogen.

Von Reisen nach Ägypten rät Kottmann ab, auch wenn die Unruhen die Tourismuszentren noch nicht erreicht haben. "In Sharm el Sheikh gibt es kaum noch Lebensmittel, weil fast alles aus Kairo angeliefert wird. Zeitweise gab's kein Benzin. Die Banken sind zu, Preise für Telefonkarten schnellen in die Höhe", berichtet sie. "Und als Internet und Telefon lahmgelegt wurden, bekam ich eine Ahnung, was es bedeutet, keine Meinungsfreiheit zu haben." Die nächsten drei Wochen will sie auf jeden Fall in Deutschland bleiben. Und sie sagt: ".Ägypten braucht Unterstützung, das Land ist nicht auf Demokratie vorbereitet. Und die deutsche Regierung sollte jetzt klar Stellung beziehen, jahrelang wurde Mubarak hofiert."

(NGZ)