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Grevenbroich: Wevelinghovener lehnen Windräder ab

Grevenbroich : Wevelinghovener lehnen Windräder ab

Großer Andrang auf dem Marktplatz: Bei der "Mobilen Redaktion" machten gestern Nachmittag viele Bürger ihrem Ärger mächtig Luft. Am NGZ-Stand lehnten sie nahezu unisono den Bau von sieben 200 Meter hohen Rotoren ab.

Die Grevenbroicher Politiker diskutieren hinter verschlossenen Türen über neue Zonen für Windräder. Das ärgert vor allem die Wevelinghovener, denn in ihrer Nähe sollen 200 Meter hohe Rotoren errichtet werden. "Ob das bewusst so geschieht?", fragt Sarah Leuffen (29). Sie hat Angst davor, dass die Gartenstädter bald vor vollendete Tatsachen gestellt werden könnten. "Wir fühlen uns total übergangen", beklagt auch Sabine Hansen (44). Dem stimmt der ehemalige CDU-Ratsherr Alexander Klömpkes zu: "Diese Nichtöffentlichkeit geht gar nicht. Hat die Stadt Angst davor, dass zu viele Bürger gegen die Windräder sein könnten?"

Dass die Wevelinghovener sich mit den Masten keineswegs anfreunden können, wurde bei der "Mobilen Redaktion" deutlich: Rund 100 Bürger diskutierten mit NGZ-Redakteuren, Politikern und auch untereinander. Die Meinung der allermeisten: "Grevenbroich ist schon genug mit Kraftwerkstürmen und Starkstromleitungen belastet, da muss nicht noch mehr hin", sagte Wolfgang Grüning (69). Diese Meinung vertrat auch Manfred Mertens (60): "Wir tun genug für die Energieerzeugung." Oder Elwin Maydeck (53): "Grevenbroich ist schon Bundeshauptstadt der Energie. Wir brauchen nicht noch ein Diplom, dass wir die meisten Windräder errichtet haben." Dass die Rotoren den Ruf der Gartenstadt schädigen werden, davon ist Horst Uhl (75) überzeugt: "Was da passieren soll, ist eine optische Umweltverschmutzung." Edith Kremkus (75) wohnt am Sprenger und wäre von den Windrädern betroffen: "Ich bin empört, dass die Rotoren so dicht am Ortsrand gebaut werden sollen. Der Anblick, der Lärm – das ist Wahnsinn." Ähnlich äußerten sich auch Friedrich Schmitz (73), Hans-Joachim Praus (78), Martina Zipp (44), Dunja Vrijaldenhoven (44), Marie-Luise Splittka (88) oder Elke Michaelis: "Ich befürchte, dass ich künftig nachts nicht mehr schlafen kann", sagt die 49-Jährige. Sie wohnt am Böhnerfeld wohnt und befürchtet zudem einen Wertverlust der Grundstücke. Auch Raphael Handen (43) erklärt: "Mit den Windrädern nimmt man vielen, die hier Grundstücke oder Häuser erworben haben, einen Teil ihrer Altersvorsorge. Der Wert der Immobilien wird sinken." Das sieht Thomas Wiest (33) genau so: "Die Grundstückspreise werden fallen, wenn in Sichtweite solche ,Trümmer' stehen." Gleich mehrere Wevelinghovener stellten die Frag: "Wer will denn da noch in das geplante Baugebiet am Mevissen ziehen?"

Für den Bau von Windrädern nahe der Gartenstadt sprachen sich nur wenige aus – etwa Otto Frenger, Landwirt von Gut Heckhausen: "Wenn die Rotoren in Wevelinghoven errichtet werden, kommen nicht noch weitere nach Hemmerden-Busch", argumentierte er.

Auch Politiker aus CDU, FDP und UWG kamen zur "Mobilen Redaktion". Darunter Ratsherr Roland Homer (CDU), der erklärte: "Wir brauchen keine neuen Windradzonen. Es reichen wenige weitere Rotoren an der Autobahn bei Kapellen." Sein Fraktionskollege Ralf Cremers meinte mit Blick auf die große Zahl von Bürgern und die überwiegend ablehnende Haltung: "Das Thema muss nochmals intensiv in den Ratsgremien diskutiert werden."

Kai-Uwe König sah die "Mobile Redaktion" auch als eine Art Initialzündung: "Jetzt müssen diejenigen handeln, die gegen die Windräder sind." Ein Weg könnte eine Bürgerinitiative sein, für die auch die Allrather und Barrensteiner mit ins Boot geholt werden sollen.

(NGZ)