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Wevelinghovener Fotograf Kai Stefes trägt Erlebnisse einer Reise durch den Osten vor

Dokumentation : Wevelinghovener Fotograf erlebt den Osten nach der Wende

Bei einer Motorradtour quer durch die ehemalige DDR traf Kai Stefes Zeitzeugen des Mauerfalls. In Anbetracht der Wiedervereinigung fotografierte er Menschen und Landschaften.

Zum 30. Jahrestag des Mauerfalls berichtet der Fotograf aus Wevelinghoven in einem Vortrag erneut von seinen Erlebnissen im Osten. Der Unterschied zwischen dem Osten und dem Westen – in welcher Form der existiert und was von der deutschen Teilung übrig geblieben ist, diese Fragen beantwortete sich Kai Stefes auf einer Reise. Seine Erlebnisse veröffentlichte der Fotograf in einem Buchband. Heute, fünf Jahre später, ist das Thema aktuell wie eh und je. Anlässlich des 30. Jahrestags des Mauerfalls hält Stefes am 13. November ab 19.30 Uhr einen Diavortrag in der Stadtbücherei.

Kai Stefes, gebürtig in Wevelinghoven, ist seit 19 Jahren freiberuflicher Fotograf mit Schwerpunkt in der Firmendarstellung. Zu seinen Kunden gehören namhafte Unternehmen wie die Commerzbank, Toyota, RWE und Vodafone. Abseits der Auftragsarbeit experimentiert der 49-Jährige gerne herum, wählt seine Kamera – von Polaroid- über Spiegelreflex- bis zur Handykamera – passend zum Kunstprojekt aus. „Jede Kamera und jeder Film hat eine andere Charakteristik. Diese herauszuarbeiten und für das Thema zu nutzen, ist sehr spannend“, berichtet Stefes. In seinen Aufnahmen lege er Fokus auf Authentizität: „Ich kreiere keine künstlichen Bildwelten, sondern dokumentiere und zeige was ich sehe.“ Die Bildbearbeitung beschränke er auf das, was früher auch im Labor möglich war. Und bei Porträt-Aufnahmen, lasse er die Menschen sie selbst sein.

Eine skurrile Häuserfassade in Neustrelitz als Sinnbild für die Trennung. Foto: Kai Stefes

Sein Interesse für die DDR weckten die friedliche Revolution und letztendlich der Mauerfall, den Stefes am Fernseher verfolgte. Der 3500 Kilometer lange Trip quer durch den Osten Deutschlands, mit Start in Marienborn und Ende am Brandenburger Tor, war für den Wevelinghovener ein „Herzensprojekt“. Die Reise kombinierte Beruf, Hobby und Interesse: Fotografie, Motorradfahren und die deutsch-deutsche Geschichte. Mit einem 50 Jahre alten Motorrad, eine MZ ES 250/1, und einer DDR-Mittelformatkamera, eine Pentacon Six TL, erlebte Stefes die ehemalige DDR. In 25 Reisetagen fotografierte er Land und Leute, interviewte Menschen, die den Umbruch miterlebt haben, und erkundigte sich, was von früher geblieben ist. Der Reise ging knapp ein Jahr Planung voraus, in der Stefes Zeitzeugen und historische Orte recherchierte und auf einer zusammenhängenden Route verband.

Seit 2014 sein Buchband „Durch den Osten – was war, was ist, was bleibt?“ erschien, präsentierte Stefes seine Schwarzweißfotografien mehrfach in Ausstellungen und hielt Reiseberichte. Dabei bemerkte er: „Die deutsch-deutsche Geschichte ist im Osten noch ein Thema – im Westen nicht.“ Ansonsten sei eine kulturelle Differenzierung zwischen Ost und West kaum noch möglich. „Die vermeintlichen Unterschiede sind meistens Vorurteile. Und die paar Sachen, die ich feststellen konnte, regen eher zum schmunzeln an – das sind dann zum Beispiel sprachlich regionale Unterschiede“, erklärt Stefes. Einen gravierenden Unterschied glaubt er dennoch entdeckt zu haben: Der Umgang mit der deutschen Vergangenheit, insbesondere wie die NS-Zeit in der DDR thematisiert wurde. Dadurch erkläre er sich, wieso das Erstarken rechter Parteien im Osten als weniger gefährlich eingeschätzt werde. Doch dies sei nur sein Eindruck – und Themen dieser Art sollten nicht zu pauschal angegangen werden, mahnt Stefes. Zudem spricht er sich für eine Lohn- und Rentenangleichung zwischen Osten und Westen aus: „Nach 30 Jahren Einheit sollte die Politik endlich ein Zeichen setzen.“

Die Gedenkstätte Deutsche Teilung auf dem Gelände des ehemaligen Grenzüberganges Marienborn. Der Grenzbergang galt als Nadelöhr zwischen Ost und West. Heute kann dort das aufwendige Kontrollsystem besichtigt werden. Foto: Kai Stefes

Beim Diavortrag am Mittwoch, 13. November, präsentiert Stefes seine Bilder und berichtet von den Hintergründen der Tour. Zusätzlich zeigt er erstmals Fotos, die nicht im Buch veröffentlicht wurden. Den Vortrag hält Stefes in der Stadtbücherei, Stadtparkinsel 42, ab 19.30 Uhr. Der Eintritt beträgt fünf Euro. Aktuell arbeitet Stefes gemeinsam mit dem Kunstverein an einer Ausstellung zum 25-jährigen Jubiläum der Landesgartenschau in Grevenbroich und erarbeitet mit der Lebenshilfe eine für November 2020 geplante Porträtserie.