Grevenbroich: Wertvolle Leihgabe aus der Industriegeschichte

Grevenbroich: Wertvolle Leihgabe aus der Industriegeschichte

2018 jährt sich zum 200. Mal der Tag, an dem eine geniale Erfindung aus Grevenbroich einen Siegeszug um die ganze Welt antrat.

Erinnerungsstücke aus dem Nachlass der Industriellenfamilie Langen sind jetzt dem Museum als Leihgabe überlassen worden. Neben Porträts in Öl, Zeichnungen und Familienfotos, ist ein Exponat von besonderem Interesse: eine großformatige, handgemalte Gratulationsschrift, die am 1. August 1901 an Carl Jakob Langen überreicht wurde. Die Belegschaft der Grevenbroicher Maschinenfabrik feierte damit die Ernennung ihres Chefs zum Kommerzienrat - ein Ehrentitel, der im Deutschen Reich vor allem an Persönlichkeiten aus der Wirtschaft verliehen wurde, in der Regel nach "erheblichen Stiftungen für das Gemeinwohl".

"Diese Schrift ist ein Highlight für die Dokumentation unserer Industriegeschichte", sagt Stadtarchivar Thomas Wolff. Vor allem das auch nach 116 Jahren noch in kräftigen Farben leuchtende Titelblatt ist sehenswert: Denn es zeigt Teile der Stadt, so wie sie sich kurz nach der Jahrhundertwende dem Betrachter präsentierte. Neben der damals noch neuen Kirche St. Peter und Paul sind rauchende Schlote zu sehen, demgegenüber steht eine romantisch wirkende Ansicht der Erftbrücke an der Bahnstraße im Licht des Vollmonds. Auch die Villa der Langens, die heute noch an der Lindenstraße steht, ist auf dem Bild zu sehen, ebenso ein Pavillon, der sich vermutlich im Garten des prächtigen Industriellenhauses befunden hat.

"Hochinteressant sind auch die Seiten, die hinter dem Titelblatt liegen", schildert Thomas Wolff. Denn darauf befinden sich nahezu 600 Unterschriften "der Beamten und Arbeiter", vermutlich hat die gesamte Belegschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts dem Leiter der Maschinenfabrik zum Ehrentitel gratuliert. Darunter sind viele Namen zu finden, die auch heute noch im Grevenbroicher Telefonbuch stehen.

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Um die Jahrhundertwende war die Maschinenfabrik das mit Abstand größte Unternehmen der Stadt. Es war aus der ehemaligen Uhlhornschen Werkstatt für Münzprägemaschinen entstanden, die sich ab 1878 mit dem Bau von Maschinen für die Zuckerindustrie beschäftigte. Viele Zuckerfabriken sowie -raffinerien in Deutschland, Europa und Übersee wurden von den Schlossstädtern errichtet, darunter auch die Zuckerfabrik im kalifornischen Salinas, die 1899 als größte der Welt galt. Die Grevenbroicher hatten sogar eine eigene Niederlassung in den USA - nicht irgendwo, sondern an prominenter Stelle, am Broadway Nr. 11 in New York.

In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg erwarb die Maschinenfabrik Buckau R. Wolf aus Magdeburg die Mehrheit am Grundkapital der Maschinenfabrik Grevenbroich, die 1927 im Wege der Fusion ganz übernommen wurde. Die Erinnerungsstücke aus der Geschichte der Industriellenfamilie Langen werden nun im Museumsdepot gehütet und sollen künftig für besondere Ausstellungen hervorgeholt werden.

Eine Gelegenheit wird sich bereits im nächsten Jahr bieten, wenn in der Villa Erckens ein Jubiläum gefeiert wird. 2018 jährt sich zum 200. Mal der Tag, an dem Diedrich Uhlhorn die von ihm entwickelte Prägemaschine zur Düsseldorfer Münze brachte - und später weltbekannt wurde. "Bei dieser Gelegenheit werden wir Uhlhorn nicht nur nur porträtieren, sondern auch die Entwicklung seiner Werkstatt zur Maschinenfabrik skizzieren", sagt Thomas Wolff. Die Ausstellung soll Ende April öffnen und bis Anfang August zu sehen sein.

(NGZ)