Wer darf in die Grevenbroicher Fußgängerzone?

Mobilität in der Innenstadt : Wer darf in die Grevenbroicher Fußgängerzone?

Zwei Entscheidungen für die Fußgängerzone stehen diese Woche an: Die Stadt will mit Pollern Autos draußen halten und die Zone für Radler dauerhaft öffnen – gegen letzteres regt sich Widerstand.

Eigentlich sagt schon der Name, wofür der Straßenzug von der Breite Straße bis zur Kölner Straße dient: Eine Fußgängerzone ist für Fußgänger da. Dass es aber nicht so einfach ist, zeigt sich in dieser Woche. Im Bauausschuss am Donnerstag geht es gleich zwei Mal um die Grevenbroicher Zone: Zum einen will die Stadt auf Antrag der SPD mit versenkbaren Pollern den Autoverkehr in der Zeit von 11 bis 19 Uhr wirksam aussperren – immer wieder werden Autos auch nach 11 Uhr dort gesichtet. Zum anderen empfiehlt die Verwaltung, die neunwöchige Probephase für Fahrradfahrer zur dauerhaften Lösung zu machen. Das heißt, dass Radler rund um die Uhr in der Zone in die Pedale treten dürfen. Bis zur Testphase im Sommer hatten sie nur montags bis freitags von 20 bis 11 Uhr und am Wochenende (ab Samstag, 15 Uhr) freie Fahrt – ansonsten war Absteigen angesagt.

Gegen die dauerhafte Freigabe regt sich erheblicher Widerstand. Der Werbering lehnt die Öffnung ab. Er berichtet von rücksichtslosen Radlern und Beinaheunfällen – und befürchtet Einbußen. Die SPD hält den Test für gescheitert, auch die CDU-Fraktion sieht „eine Öffnung kritisch, wir möchten gern das Gespräch mit dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club zu dem Thema suchen“, kündigt Fraktionschef Wolfgang Kaiser an.

Die Stadtverwaltung bewertet die Probephase dagegen positiv. Nach Auskunft der Polizei sei die Unfallsituation unauffällig. Kritische Situationen würden sich nicht ausschließen lassen. Aber laut ADFC überwiege die Rücksichtnahme, Radler würden absteigen oder Schritt fahren.

Die Gretchenfrage: Wie vertragen sich mehrere Verkehrsarten mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten auf einem Raum? Von negativen Erfahrungen berichten etwa Radfahrer, die auf der umgestalteten Bahnstraße sich die nun schmale Fahrbahn mit Autos teilen und vor der Ampel vor den Abgasen aus dem Auspuff auf Grün warten – so mancher hätte lieber eine Fahrradspur für sich gehabt – mit mehr Abstand zum Autoblech. In der Fußgängerzone sind Konflikte noch mehr programmiert. Cafés werden von vielen Älteren besucht, so mancher ist mit Rollator oder Rollstuhl unterwegs. Und am Tier-Brunnen spielen Kinder, laufen begeistert um die Skulpturen herum. Senioren und Eltern ist es nicht zuzumuten, dass sie in einem geschützten Raum wie der Fußgängerzone ständig Obacht geben müssen, damit es nicht zum Zusammenprall mit einem Radfahrer kommt. Besonders auf dem schmalen Abschnitt der Kölner Straße können sich Radler und Passanten ins Gehege kommen, auch die Verwaltung erachtet die Lage dort kritisch. Förderung der Nahmobilität ist sinnvoll – doch die Stadt Grevenbroich ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft nicht nur fahrradfreundlicher, sondern auch fußgängerfreundlicher Kommunen.

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