Wenn Jupp den Bus fährt

Von Daniela Buschkamp

Von Daniela Buschkamp

Stell' Dir vor: Der Bus kommt und keiner fährt mit. In Neukirchen, Hülchrath, Mühlrath und Münchrath ist dazu keine keine Fantasie notwendig: Es gibt täglichen Anschauungsunterricht, wenn die "Geisterbusse" durch die kleinen Orte fahren. Gleichwohl: die mehr als 4.000 Anwohner würden sich eine bessere Verbindung nach Neuss oder Grevenbroich wünschen. Die Busverbindungen in Neukirchen lassen Wünsche offen. Diese könnte - nach Vorstellungen der SPD - ein "Bürgerbus" erfüllen. NGZ-Foto: M. Reuter

Ein unlösbares Problem? Vielleicht nicht, meinen Klaus Krützen, Chef des SPD-Ortsvereins Neukirchen-Hülchrath, und sein Stellvertreter Herbert Strazny. Sie wollen das "Bürgerbus"-Konzept etablieren. "Das Thema ÖPNV wird bereits seit Jahren diskutiert", sagt Krützen im Gespräch mit der NGZ. Die Probleme in Neukirchen und Umgebung seien bekannt: Auf der einen Seite sei die Nachfrage so gering, dass etwa die Buslinie 894 nach Grevenbroich eingestellt werden musste. Auf der anderen Seite sei eine Verbindung in die Nachbarstädte gefragt.

"Die Leute ärgern sich zwar über die leeren Busse, wollen aber auch mal nach Grevenbroich zum Arzt fahren", sagt Herbert Strazny. In Gesprächen, ergänzt Klaus Krützen, habe er auch erfahren, dass eine Anbindung an den SB-Haltepunkt Allerheiligen gewünscht werde. Bleibt das Problem der Finanzierbarkeit: Schließlich hatte der BVR (Busverkehr Rheinland) bereits unrentable Linien im gesamten Stadtgebiet eingestellt. Eine bereits erprobte Möglichkeit, die Kosten zu minimieren und gleichzeitig einer kleineren Nachfrage gerecht zu werden, bietet das Modell des "Bürgerbusses".

Vereinfacht ausgedrückt: Statt eines großen Linienbusses, gesteuert vom Fahrer eines Verkehrsbetriebs, kommt dann ein Kleinbus - und hinterm Steuer sitzen Jupp oder Käthe. "Jupp" oder "Käthe" sind Ehrenamtler, die ihre Passagiere von A nach B bringen. Sie brauchen dazu einen "Personenbeförderungsschein" - und Spaß an der Sache. "In der Region gibt es viele Vorruheständler", sagt Klaus Krützen. Vielleicht könnte man aus diesem Personenkreis Ehrenamtler gewinnen, die die Idee des "Bürgerbusses" ins Rollen bringen wollten.

In anderen Städte und Kommunen rollt der "Bürgerbus" bereits: Das erstmals vor rund 15 Jahren in den Niederlanden gestartete Projekt wird in ganz Deutschland umgesetzt, allein 44 Städte und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen, darunter Velbert oder Wipperfürth, sind vertreten. Wie es funktionieren kann, erläutert Klaus Krützen: "Für den ,Bürgerbus' wird ein Verein gegründet, der mit Unterstützung eines Verkehrsbetriebs und der Stadt arbeitet." Statt der "hohen Personalkosten" werde auf bürgerschaftliches Engagement gesetzt. Genauso wie die großen Linienbusse würde auch der Bürgerbus einen eigenen Fahrplan haben, Haltestellen anfahren und die Passagiere würden Fahrkarten kaufen.

Der Eigentümer des Busses - entweder der Verein oder das Busunternehmen - kommt dann nicht nur für die Betriebskosten auf, sondern würde auch die Fahrkarten verkaufen. Das Land finanziert den Bus und zahlt außerdem eine Pauschale für die Vereinsarbeit. Krützen und Strazny wollen jetzt Gespräche mit dem BVR über eine Kooperation und mit der Stadt Grevenbroich führen. Wann Jupp oder Käthe den ersten Bus steuern könnten? "Vielleicht schon in einem Jahr", hoffen die Neukirchener.

(NGZ)
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