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Grevenbroich: Wenn das Läuten an die Heimat erinnert

Grevenbroich : Wenn das Läuten an die Heimat erinnert

Süßer die Glocken nie klingen: Im Turm der City-Kirche St. Peter und Paul läuten sechs Glocken. Zusammen wiegen sie 7170 Kilogramm. Der Klang von Kirchenglocken ruft gerade an Weihnachten in vielen Menschen sentimentale oder feierliche Gefühle hervor. Wenn zehn Minuten vor dem Hochamt oder im Anschluss an die Heilige Messe die sechs Glocken von St. Peter und Paul in der Grevenbroicher Innenstadt läuten, halten viele Menschen einen Moment andächtig inne.

Zu ihnen gehört auch Kerstin Wichelhaus, die gerade im Schatten der Kirche auf dem Weihnachtsmarkt einen Glühwein trinkt. Sie ist Lehrerin am Erasmus-Gymnasium und verbindet mit dem Klang der Kirchenglocken auch die Erinnerung an ihren Wohnort Viersen: "Es ist Heiligabend, die Glocken läuten. Vielleicht sollte ich beten und mal wieder in die Kirche gehen", sagt sie lächelnd. Ähnlich sieht das ihr Kollege Roland Vosen, der in Köln lebt und die Glocken des Doms hört: "Das Läuten ist für mich ein akustisches Signal. Es weckt — egal, wo ich bin — Erinnerungen an zu Hause".

Ganz konkrete Vorstellungen hat der Grevenbroicher Standesbeamte Martin Scheffler: "Wenn die Glocken läuten, ist es sofort feierlich. Und ich weiß, dass der Kirchenchor sich im Gotteshaus aufstellen muss", erzählt der Bedburger. Seine Frau Karoline ergänzt: "Und dann beginnt Weihnachten".

Hoch oben über dem Grevenbroicher Marktplatz ruhen die sechs schweren Glocken auf dem Glockenstuhl, der im vergangenen Jahr aufwendig saniert wurde. "Der ist aus jetzt massiven Eichenbalken, die mit dem Gewicht der Glocken und den Temperaturschwankungen besser klarkommen als der alte Glockenstuhl, der aus Stahl war", erzählt Architekt Bernd Sokolowski.

Der alte stählerne Turm drohte zusammen zu brechen und musste im Rahmen der Komplettsanierung von St. Peter und Paul aus statischen Gründen stillgelegt werden. Denn die Glocken wiegen zusammen stolze 7170 Kilogramm. Alle sechs sind von unterschiedlicher Größe. Vier wurden 1957 von der Gießerei "Petit und Edelbrock" im westfälischen Gescher gegossen. Die größte und schwerste stammt aus dem Jahr 1592, die drittschwerste wurde bereits 1509 gegossen. Aus acht Luken dringt der Klang der Glocken in alle Richtungen der Stadt. Für das Läuten der Glocken ist der Küster und Hausmeister Thorsten Kaiser zuständig ist.

"Die Uhr ist mechanisch. Das Läutwerk für die Messen wird von Hand gesteuert", erklärt der Küster. Er müsse zehn Minuten vor dem Beginn eines Gottesdienstes mit dem Läuten beginnen. Heute, am Heiligen Abend, kann er abends jedoch in Ruhe feiern. Denn in diesem Jahr gibt es keine Christmette in St. Peter und Paul. "Dafür sind zu wenige Priester da", sagt Kaiser. Aber zur Kinder-Krippenfeier werden am Nachmittag die Glocken läuten — und natürlich zum Hochamt am ersten und am zweiten Weihnachtstag.

(uwr)