Grevenbroich: Wenig Raser bei Blitzmarathon

Grevenbroich : Wenig Raser bei Blitzmarathon

Auf der Landstraße 142 in Langwaden kracht es immer wieder. Beim landesweiten Blitz marathon zeigte die Polizei dort Dienstag Präsenz und baute ihre mobile Messstation auf. Raser gingen den Beamten jedoch kaum ins Netz.

Das mit dem Blitzen ist gar nicht so einfach. Der Polizist, der durch das Lasermessgerät schaut, muss ein ruhiges Händchen haben. Beim Blick durch das Gerät sieht er einen kleinen roten Punkt. Dieser muss genau auf das Kennzeichen des heranbrausenden Pkw gerichtet sein. Nur so kann er dessen Geschwindigkeit messen — weil das Kennzeichen den roten Punkt reflektiert. Der Wagen allerdings ist 230 Meter weit weg und, logisch, er bewegt sich. Also: ruhig bleiben, das Ziel markieren. Nach einer Sekunde piept das Messgerät. Ein Geräusch wie aus einem 80er-Jahre-Science-Fiction-Film. Dann leuchtet eine rote Anzeige auf. 47 kmh/h. Alles in Ordnung. Weiterfahren.

Polizeioberkommissar Bernhard Rösgen ist Einsatzleiter der mobilen Messstelle an der Landstraße 142 (L 142) in Langwaden. Dort stehen die Beamten beim landesweiten Blitz-Marathon. Es ist gestern, kurz nach 11.30 Uhr, und allzu viele Autofahrer müssen die Beamten in Langwaden nicht rauswinken. "Grobe Verstöße hatten wir hier bislang nicht", sagt Rösgen. Er weiß natürlich, dass viele Autofahrer wegen des Aktionstages besonders achtsam fahren. "Aber das ist ja auch Sinn der Sache", meint er.

Mit kritischem Blick verfolgt Herbert Strazny das Geschehen an der L 142. Der 71-Jährige ist Pate für die Messstelle. Bei der Wahl der Standorte für die Geschwindigkeitsmessungen beim Aktionstag konnten die Bürger Vorschläge machen. Strazny ist zwar Münchrather, doch die L 142 befährt er beinahe täglich. Deshalb entschied er sich für diese Straße. "Hier wird oft zu schnell gefahren. Darauf muss man aufmerksam machen", sagt er. Stolz betont Strazny, dass er seit mehr als 50 Jahren unfallfrei geblieben sei. Aber geblitzt — naja, das wurde auch er schon. Ein Polizist klopft ihm auf die Schulter. "Das passiert so gut wie jedem mal", sagt er. Ein bisschen Aufmunterung für den Straßenpaten.

Insgesamt hat die Polizei Dienstag in NRW an 3142 Kontrollstellen das Tempo der Verkehrsteilnehmer gemessen. Der 24-Stunden-Blitzmarathon endet heute morgen um sechs Uhr. Die Polizei in Neuss zog gestern zwar ein positives Zwischenfazit. Polizeisprecherin Diane Drawe attestierte den Autofahrern, "vorsichtig" unterwegs zu sein. "Genau das wollten wir erreichen." Eine Auswertung des Marathons erwartet die Polizei aber erst Mittwoch vom NRW-Innenministerium.

Der Aktionstag soll die Bürger für mehr Rücksicht im Straßenverkehr sensibilisieren. Landesweit hatte es im vergangenen Jahr 15 Prozent mehr Verkehrstote gegeben. NRW-Innenminister Ralf Jäger betont daher: "Auch nach dem Blitzmarathon wird es mehr Kontrollen für mehr Sicherheit im Straßenverkehr geben."

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